Vor 125 Jahren, am 1. Mai 1899, wurde der einzige international erfolgreiche isländische Dirigent und Komponist Jón Leifs auf der Farm Sólheimar auf Island geboren. 1916 ging nach Leipzig, um am dortigen Konservatorium Klavier zu studieren. 1921 schloss er das Studium ab, wollte allerdings nicht Pianist, sondern Dirigent und Komponist werden. Sein Kompositionsstudium ergänzte er u.a. bei Ferruccio Busoni. In den 1920er Jahren dirigierte er etliche Sinfonieorchester in Deutschland, in Tschechien, Norwegen und Dänemark und wurde so der einzige international erfolgreiche isländische Dirigent. Eine feste Anstellung konnte er jedoch nicht erringen. 1926 gab er im Verlauf einer Tournee durch Norwegen, die Färöer Inseln und Island mit den Hamburger Philharmonikern die allerersten sinfonischen Konzerte in Island überhaupt. In dieser Zeit verfasste er auch zahlreiche Schriften über Musik und Interpretation. Mit Klavierbearbeitungen isländischer Volksmusik begann um diese Zeit seine Laufbahn als Komponist. Ab etwa 1930 konzentrierte er sich immer stärker auf große Orchesterwerke, von denen einige allerdings erst nach seinem Tod aufgeführt wurden. Die meisten dieser Werke sind von isländischen Naturphänomenen inspiriert. So beschreibt Hekla einen Ausbruch des Vulkans Hekla, Dettifoss wiederum stellt Europas mächtigsten Wasserfall im Nordosten Islands nach. 1935 wurde Leifs Musikdirektor der isländischen Rundfunkanstalt, gab diesen Posten 1937 allerdings wieder auf, da er seine Vorstellungen nicht verwirklichen konnte und ging wieder nach Deutschland. 1947 kehrte er wieder nach Island zurück, wo er bis zu seinem Lebensende blieb. Er setzte sich für die musikalische Erziehung und die Künslterrechte ein, aber auch politisch für die Ratifizierung der Berner Konvention durch Island. Mit dem tragischen Tod seiner jüngeren Tochter 1947 traf ihn ein schwerer Schicksalsschlag. Zu ihrem Gedenken schrieb Leifs vier Kompositionen (Requiem op. 33b, Torrek op. 33A für Singstimme und Klavier, In memoriam op. 35 für Frauenchor und das Streichquartett op. 36 Vita et mors). Seine letzte Komposition, Consolation, Intermezzo für Streichorchester, vollendete Leifs nur wenige Wochen vor seinem Tod. Er starb am 30. Juli 1968 in Reykjavík an Lungenkrebs.
»Jon Leifs: Biographie und Einspielungen«
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