Heute, am 5. April 2018, wäre der österreichische Dirigent Herbert von Karajan 110 Jahre alt geworden. Sein Name ist vor allem mit den Berliner Philharmonikern verbunden, deren Chefdirigent er ab 1955 für 34 Jahr war. Eine Erfolgsgeschichte, bei der Chefdirigent und Orchester geradezu zu einem Markenzeichen von internationalem Rang wurden. Karajan studierte Klavier am Salzburger Mozarteum und Musikwissenschaften an der Universität Wien sowie Orchesterleitung bei Franz Schalk und Bernhard Paumgartner. Sein Debüt als Dirigent erfolgte 1929 in seiner Heimatstadt Salzburg. Erste Engagements führten ihn nach Ulm und Aachen, von wo aus er Gastdirigate bei den Berliner Philharmonikern und der Berliner Staatsoper absolvierte. Der Durchbruch als Dirigent gelang ihm 1938 mit Beethovens Fidelio an der Berliner Staatsoper – die Kritik sprach vom „Wunder Karajan“. Nach dem Zweiten Weltkrieg mit Arbeitsverbot belegt, zog sich Karajan nach Italien zurück und debütierte am 28.12.1948 an der Mailänder Scala mit Mozarts Le Nozze di Figaro, es folgten weitere regelmäßige Dirigate an der Mailänder Scala. Nach dem Tod Wilhelm Furtwänglers im November 1954 wurde Karajan künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker auf Lebenszeit, von 1957-1964 war er Direktor der Wiener Staatsoper und initiierte einen intensiven Austausch von Opernproduktionen zwischen Wien und Mailand, gleichzeitig führte er auch häufig selbst Regie (Ring, Frau ohne Schatten). Neben einer Ämterhäufung ohnegleichen – er war in der Zwischenzeit auch noch der Künstlerische Leiter der Salzburger Festspiele und rief die Oster- und Pfingstfestspiele ins Leben – nutzte Karajan virtuos die technischen Möglichkeiten der Tonaufzeichnung und spielte mit den Berliner und Wiener Philharmonikern eine schier unüberschaubare Fülle von Aufnahmen ein. Seine umfangreiche Diskografie, Musikvideos und Opernfilme haben auch heute noch vielfach Referenzcharakter. Später kamen noch Videos und TV-Aufnahmen hinzu. Er gründete seine eigene Produktionsfirma Telemondial, förderte junge Talente und war an allen technischen Neuerungen interessiert. Kritiker sprachen allerdings auch von einer perfektionistischen „Klangmagie“, deren Resultat eine allzu geglättete Ästhetik sei. Ein Rückenleiden zwang den Dirigenten 1976 zu einer Bandscheibenoperation, 1979 erlitt er einen Schlaganfall. Im Herbst1982 kam es zu einer schweren Belastungsprobe zwischen den Berliner Philharmonikern und Herbert von Karajan, als dieser die Mitgliedschaft der Klarinettistin Sabine Meyer im Orchester durchsetzte. 1987 erklärte Karajan seinen Rücktritt als Leiter der Salzburger Osterfestspiele, im Februar 1989 dirigiert er die Wiener Philharmoniker bei seinem letzten Gastspiel in New York und starb am 16. Juli 1989 an einem Herzversagen während der Proben zu Verdis Un ballo in maschera in Salzburg. Heute wird er als einer der wichtigsten Dirigenten des 20. Jahrhunderts gesehen. 2002 erschien ein Buch über den Maestro von Richard Osborne „Herbert von Karajan – Leben und Musik“ im Zsolnay-Verlag (ISBN 3-55205171-6). Grundlage des Buches sind ausführliche Interviews, die der englische Musikjournalist über viele Jahre hinweg mit Karajan geführt hat. Der schwierige Künstler versuchte dabei, die Richtung des Gesprächs vorzugeben, sprach gern und oft über seine Vorhaben, neue Projekte, über Erfolge und Technik. Osborne gelang es jedoch, mit Karajan auch über Themen zu sprechen, über die er ansonsten wenig preisgabe – etwa seine beruflichen Anfänge, sein Elternhaus, seine Familie. Ein Buch für alle, die keine Huldigung an die „Lichtgestalt“ Karajan erwarten.
»Herbert von Karajan: Biographie und Einspielungen«
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