Oper Genf: Edward Clug inszeniert Rameaus "Castor et Pollux"
Abschluss des Zyklus‘ von Ballettopern am Grand Théâtre de Genève
Nach Les Indes galantes (2019), Atys (2022) und Idomeneo (2024) geht der Zyklus der Ballettopern und zugleich die Reihe von Werken des französischen Barockrepertoires am Grand Théâtre de Genève mit Castor et Pollux von Jean-Philippe Rameau zu Ende. Die musikalische Leitung hat erneut Leonardo García Alarcón am Pult der Cappella Mediterranea und wieder bilden Tänzerinnen und Tänzer des Ballet du Grand Théâtre einen wesentlichen Bestandteil der Produktion. Es war der Wunsch des Dirigenten sowie des Choreografen Edward Clug, zu den Wurzeln dieses Werks zurückzukehren und gleichzeitig eine weniger bekannte Partitur zu entdecken. Deshalb haben sie sich entschlossen, die selten gespielte Fassung von 1737 auf die Bühne zu bringen, die innovativer und subtiler ist als die 1754 überarbeitete Fassung.
Verbindung von Tanz und Gesang
Edward Clug zählt zu den wichtigsten Choreografen seiner Generation und inszeniert mit Castor et Pollux zum ersten Mal eine Oper. 2017 wurde er für seine Produktion Handman beim NDT2 (Nederlands Dans Theater) für den renommierten Benois-de-la-Danse-Preis nominiert und 2019 für das Stück Patterns in ¾ beim Stuttgarter Ballett für den deutschen Theaterpreis Der FAUST. Clug lässt sich vom Maschinenzauber des französischen Barock inspirieren, erzählt aber auch von der zeitlosen Aktualität des Werks. Der Tanz steht im Mittelpunkt seiner Inszenierung, wobei die Tänzerinnen und Tänzer in einen Dialog mit den Sängerinnen und Sängern treten. Damit folgt er den Choreografen – Demis Volpi, Angelin Preljocaj und Sidi Larbi Cherkaoui –, die den Zyklus der Ballettopern am GTG in den letzten Jahren geprägt haben.
Hochkarätige Besetzung
Die Besetzung vereint Spezialisten des Barockrepertoires. Als Castor debütiert der Tenor Reinoud van Mechelen am GTG. Andreas Wolf, der 2022 bereits als Célénus in Atys zu erleben war, singt den Pollux, Sophie Junker die Télaïre. Die französisch-schweizerische Mezzosopranistin Ève-Maud Hubeaux, die in Genf 2023 die Eboli im französischen Don Carlos gesungen hat, verkörpert die Phébé.
Führender französischer Barockkomponist
Obwohl Jean-Philippe Rameau bereits zahlreiche Klavierstücke, religiöse Werke und andere Musik komponiert hatte, schrieb er erst im Alter von fünfzig Jahren, nämlich 1733, seine erste tragische Oper Hippolyte et Aricie. Es folgten Les Indes galantes im Jahr 1735 und schließlich Castor et Pollux im Jahr 1737. Der Komponist integriert in dieses fünfaktige Werk, in dem der Tanz eine entscheidende Rolle spielt, italienisch anmutende Madrigale, virtuose Verzierungen, ungewöhnliche Harmonien, subtile Dissonanzen und reichhaltige orchestrale Texturen. Dadurch werden die Emotionen der Figuren und die dramatischen Situationen zusätzlich unterstrichen.
Leidenschaft und Loyalität
Vor dem Hintergrund eines Krieges zwischen zwei benachbarten Völkern, der tiefe Spuren hinterlassen hat, zeichnet Rameau ein psychologisches Porträt der Figuren, insbesondere von Pollux. Er ist zwischen seiner Liebe zu Télaïre, der Verlobten seines Bruders Castor, und seiner Loyalität diesem gegenüber hin- und hergerissen. Er ist bereit, seine Unsterblichkeit aufzugeben, um seinen im Kampf gefallenen sterblichen Bruder zu retten. Dafür steigt Pollux in die Unterwelt hinab, um dessen Platz einzunehmen. Es geht in dieser Oper um eine Brüderlichkeit, die alles überwinden will, sogar den Tod, und um eine bedingungslose Liebe, die den Schrecken des Krieges besiegt.
Bâtiment des Forces Motrices
Jean-Philippe Rameau: Castor et Pollux
(Neuproduktion)
Premiere: 19. März 2026, 19:30 Uhr
- Weitere Vorstellungen: 21. / 26. / 28. März 2026, 19:30 Uhr
- 24. März 2026, 19:00 Uhr
- 22. / 29. März 2026, 15:00 Uhr
Mehr Info: www.gtg.ch/en/2025-2026-season/castor-pollux/
