Jordan Hadrill & Vienna Classical Players
Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges • Maddalena Lombardini Sirmen
Martin Kerschbau Conductor
Solo Musica SM563
1 CD • 30min • 2025
27.08.2026
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Gesamteindruck:![]()
„Forgotten Voices“ – die britisch-australische Geigerin Jordan Hadrill hat es sich zur Aufgabe gemacht, vergessene Stimmen wieder zum Erklingen zu bringen. Ausgewählt hat sie diesmal ein Violinkonzert des französischen Komponisten Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges (1745 – 1799) und ein Duo für zwei Violinen der italienischen Komponistin Maddalena Lombardi Sirmen (1745 – 1818). Ihre Mitstreiter sind die Vienna Classical Players unter der Leitung von Martin Kerschbaum und die polnische Violinistin Dominika Witowicz.
Entdeckung eines Universalgenies
Joseph Bologne, als Sohn eines französischen Plantagenbesitzers und einer versklavten Afrikanerin auf der Karibikinsel Guadeloupe geboren, entwickelte sich nicht nur zu einem brillanten Fechter, sondern auch zu einem Geigenvirtuosen, Dirigenten und Komponisten. Aus rassistischen Gründen geriet er trotz großer Anfangserfolge in Vergessenheit. Sein nun vorliegendes Violinkonzert op. 2 Nr. 1 in G-Dur, das erste von insgesamt vierzehn Werken dieses Genres, beweist Dreierlei: Bologne sprudelte von musikalischen Einfällen, er beherrschte die Satztechnik und er muss ein brillanter Geiger gewesen sein, denn die Anforderungen an den Solisten sind beträchtlich.
Vergleiche mit Mozart
Das 1773 erschienene Werk, zwei Jahre, bevor Mozart seine Violinkonzerte schrieb, erinnert in manchem an den Stil des jungen Salzburger Meisters. Allerdings wirkt vor allem der Kopfsatz etwas sprunghaft, wenn Bologne von einer Idee zur andern springt, immer wieder in spieltechnische Kaskaden bis in höchste Höhen vordringend. Lyrisch, elegant wirkt das C-Dur-Largo, das der Solistin Gelegenheit zum zarten Singen gibt; kurz und bündig kommt das Final-Rondo daher.
Solistin und Orchester in Harmonie
Jordan Hadrill bewältigt ihren Solopart mit feinem, klangvollem Ton, die virtuosen Eskapaden bis in die hohen Lagen sicher gestaltend. Die Wechsel zwischen gesanglichen und zupackenden Abschnitten gelingen überzeugend. Dazu trägt auch das Wiener Orchester bei, das unter dem exakten Dirigat von Martin Kerschbaum hellhörig zwischen Tutti- und Begleitphasen pendelt, immer auf die Solistin eingehend.
Italienerin auf Weltreise
Ganz anders das Duett von Lombardi Sirmen. Die aus Venedig stammende Komponistin startete eine für die damalige Zeit ungewöhnliche Karriere: Auftritte in Paris, London und St. Petersburg, Veröffentlichungen ihrer Werke in Frankreich, England und den Niederlanden. Ihr zweisätziges Duo op. 5 wirkt wie ein munteres Zwiegespräch, wobei die Geigen paritätisch behandelt sind. Der erste Satz, ein Larghetto, zeigt dabei mehr Tiefgang als das folgende leichtfüßige Menuett. Jordan Hadrill und Dominika Witowicz ergänzen sich vorzüglich beim fein aufeinander abgestimmten Musizieren.
Das Booklet (deutsch und englisch) bringt interessante Details zu den Biografien der beiden wiederentdeckten Komponisten und ihren originellen Werken. Auch zu den Interpreten erfährt man Aufschlussreiches.
Prof. Klaus Trapp [27.08.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Joseph Bologne | ||
| 1 | Violinkonzert G-Dur op. 2 Nr. 1 | 00:20:15 |
| M. Laura Lombardini Sirmen | ||
| 4 | Duetto II D-Dur op. 5 | 00:09:55 |
Interpreten der Einspielung
- Jordan Hadrill (Violine)
- Dominika Witowicz (Violine)
- Vienna Classical Players (Ensemble)
- Martin Kerschbaum (Dirigent)
