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CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CDs der Woche 2026

CDs der Woche der zurückliegenden Jahre:

German Romantic Organ Music

Mendelssohn, Reger, Reubke
Ben van Oosten

MDG 916 2377-6

1 CD/SACD stereo/surround • 78min • 2025

05.01.202610 10 10

Ben van Oosten spielt romantisches Repertoire an der größten, nun wieder originalgetreu restaurierten romantischen Orgel Deutschlands. Besser geht's nicht - und katholischer auch nicht. Zum niederknien!

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Walton, Benjamin, Howells

Mathis Rochat viola, Abigél Králik violin
BBC National Orchestra of Wales, Howard Griffiths

Evil Penguin Classic EPRC 0072

1 CD • 59min • 2024

12.01.20269 10 9

Alle bisherigen Alben des französisch-schweizerischen Bratschisten Mathis Rochat, Jahrgang 1994, folgen bezüglich der Auswahl ihres Repertoires einer Art rotem Faden, und so verhält es sich auch bei seiner soeben erschienenen vierten CD. Der Fokus liegt diesmal auf britischer Musik für Viola und Orchester aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: das Violakonzert von William Walton, einer der Marksteine des Violarepertoires also, wird von zwei weniger bekannten Werken von Herbert Howells sowie Arthur Benjamin umrahmt. Rochat zur Seite steht dabei Howard Griffiths am Pult des BBC National Orchestra of Wales.

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Johann Daniel Pucklitz

Opera Omnia Vol. 1 • Cantatas and Missas

MDG 902 2373-6

1 CD/SACD stereo/surround • 68min • 2024

19.01.20269 9 9

Die Musikproduktion Dabringhaus und Grimm widmet dem bis dato so gut wie unbekannten Danziger Kirchenmusiker Johann Daniel Pucklitz (1705-1774) eine Gesamt-Edition seiner 62 erhaltenen Werke. Nachdem in früheren Jahren bereits sein Concerto Kehre wieder und sein Oratorio Secondo veröffentlicht wurden, setzt nun unter dem Gesamttitel „Opera Omnia“ eine systematische Einspielung seiner Kantaten und Messen ein. Initiator und Kopf des Unternehmens ist der 1974 in Danzig geborene Organist, Dirigent und Komponist Andrzej Szadejko, der mit dem von ihm 2008 gegründeten Goldberg Baroque Ensemble und dem in dieses integrierten Goldberg Vocal Ensemble konzertiert.

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Bach vs. Scheibe

Marie-Sophie Pollak • Concerto Köln • Max Volbers

Berlin Classics 0304099BC

1 CD • 69min • 2024

26.01.20269 10 10

Marie-Sophie Pollak und das Concerto Köln unter Max Volbers geben in ihrem Album Bach vs. Scheibe eine klingende Erläuterung zu einer der wichtigsten musikästhetischen Kontroversen des deutschen Spätbarock, die spätere Diskussionen um U- und E-Musik bereits vorwegnimmt. Auslöser war, dass Johann Adolph Scheibe Johann Sebastian Bach 1737 in seiner in Hamburg erschienenen Zeitschrift „Der Critische Musikus“ für seinen überkomplexen Stil kritisiert hatte. Es ist nicht undenkbar, dass er damit die Einschätzung seiner hanseatischen Kollegen Telemann und Mattheson widerspiegelt.

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Movie Themes Made In Germany

Orchestral Scores by Enjott Schneider

Solo Musica SM 489

1 CD • 77min • 2025

02.02.20269 9 9

Enjott Schneider will seine Filmmusiken „aus den Archiven raus und ins Konzertleben" bringen, wie er dem Deutschlandfunk verriet. Der Münchener Komponist, der in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden ist, lässt auf seinem neuen Album bei Solo Musica ausgewählte Werke aus drei Jahrzehnten als symphonische Suiten wiederauferstehen – und beweist damit, dass diese Musik auch ohne ihre ursprüngliche Filmfunktion überzeugt. Schneiders Filmmusiken wirken zeitlos, weil sie rein instrumental und physisch daherkommen. Das ist ein bewusster Gegenentwurf zu den elektronischen Klangteppichen zahlloser Produktionen, die unweigerlich den Zeitgeist ihrer Entstehung verraten und oft inflationär oder überholt wirken.

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L' Appel Du Cor

Hervé Joulain Horn • Fanny Azzuro Piano

TYXart TXA25203

1 CD • 68min • 2024

09.02.202610 10 10

Über das Horn gibt es unter Musikern viele Witze, die meist die Tatsache betreffen, dass dieses Instrument in Symphonien oft lange Pausen hat und dann, wenn es spielen muss, kiekst. Diese CD entzieht allen diesbezüglichen Witzen den realen Boden: Hervé Joulain ist ein weltbekannter und -geschätzter Hornist. Geboren 1966, war er schon in jungen Jahren Solo-Hornist beim Orchestre philharmonique de Radio France, dann beim Orchestre nationale de France und derzeit bei der Filarmonica Toscanini in Parma, hat am Conservatoire de Paris gelehrt, gibt nun Meisterkurse in aller Welt und hat bereits über 20 CDs aufgenommen.

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Claude Debussy

CompleteWorks for Piano Duo • II
Genova & Dimitrov Piano Duo

OehmsClassics OC1741

1 CD • 75min • 2023

16.02.20269 10 10

Die erste Folge der Gesamtaufnahme aller Werke Claude Debussys für zwei Pianisten mit dem Genova & Dimitrov Piano Duo erntete zu Recht in allen Besprechungen höchstes Lob. Die Darbietungen der frühen und teils seltener gespielten Stücke darf man getrost als Referenzeinspielung einstufen. Vol. II enthält nun vor allem auch die beiden bekanntesten Kompositionen Debussys für Klavierduo, und da ist die Konkurrenz natürlich ungleich größer.

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Francesco Bartolomeo Conti

Il trionfo della Fama
NovoCanto & La Stagione Armonica • Accademia Bizantina • Ottavio Dantone

cpo 555 725-2

2 CD • 82min • 2024

23.02.202610 10 10

Wer seinerzeit am Wiener Hof mit Johann Joseph Fux mithalten wollte, musste nicht nur Glanz ausstrahlen, sondern auch theoretisch sattelfest sein; schließlich war Fux nicht nur ein angesehener Komponist, sondern auch ein höchst respektierter Pädagoge der Satztechnik, dessen Hauptwerk „Gradus ad Parnassum“ noch heute studiert wird. Sein Nachfolger wurde 1713 der um gut 20 Jahre jüngere Florentiner Francesco Bartolomeo Conti (1682 – 1732), der als Theorbist begonnen hatte, aber schon als junger Mann mit Bühnenwerken und Kantaten an die Öffentlichkeit trat und auch die Aufmerksamkeit Johann Sebastian Bachs auf sich zog, der seine Kantate Languet anima mea bearbeitete.

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Max Reger

inspired by J.S.Bach
Michael Schöch, piano

MDG 904 2369-6

1 CD/SACD stereo/surround • 62min • 2025

02.03.202610 10 10

Der 1985 in Innsbruck geborene österreichische Pianist und Organist Michael Schöch hat für seine neue CD Werke von Max Reger (1873–1916) ausgewählt, die dessen Verehrung für Johann Sebastian Bach besonders eindrucksvoll spiegeln. Das einzige Originalwerk des Albums ist zugleich das bedeutendste: Variationen und Fuge über ein Thema von J. S. Bach op. 81. Als Thema hat Reger das Oboenvorspiel der Arie „Sein‘ Allmacht zu ergründen“ aus der Himmelfahrtskantate BWV 128 gewählt, und daraus ein monumentales Klavierwerk entwickelt. Michal Schöch ist den hohen technischen und klanglichen Anforderungen der halbstündigen Komposition nicht nur gewachsen, es gelingt ihm auch, die enormen Spannungen nachzuzeichnen und dem Sinn des Werkes auf den Grund zu gehen.

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Bach's Horns

Solomon's Knot

Prospero Classical PROSP0115

1 CD • 18min • 2023

09.03.202610 10 10

Die Formation Solomon’s Knot hat sich einen Namen als Garant für unkonventionelle neue Zugänge zu Alter Musik gemacht. So hält sie es auch auf ihrer neuesten CD: hier kombiniert man eine der Kurzmessen von Johann Sebastian Bach, nämlich jene in F-Dur (BWV 233.2) mit dem ersten Brandenburgischen Konzert (BWV 1046.2) und der Kantate „Was mir behagt, ist nur die muntre Jagd“ (BWV 208.1). Verbindende rote Fäden gibt es gleich mehrere: zum einen hat Bach in allen diesen Werken alte Werke recycelt, zum anderen spielt in allen diesen Werken das Horn eine besondere Rolle, was auch in durchaus launiger Weise im Booklet thematisiert wird.

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Femmes de Légende

Frauen als Muse | Women of Legend
Nareh Arghamanyan Piano

hänssler CLASSIC HC25026

1 CD • 75min • 2023

16.03.202610 9 9

Die armenische, heute in Wien lebende Pianistin Nareh Arghamanyan huldigt der weiblichen Kreativität. Auf ihrem Album „Femmes de Légende“ präsentiert sie Klaviermusik von Komponistinnen aus drei Jahrhunderten: von der Barockkünstlerin Anna Bon di Venezia, die am Hof von Bayreuth wirkte, bis zu Ilse Fromm-Michaels, Moderne-Verfechterin in den 1920er Jahren. Rund die Hälfte der insgesamt 14 kreativen Damen stammt aus Frankreich. Seit jeher hatten es Frauen es dort leichter als hierzulande, in den Institutionen des Musiklebens Fuß zu fassen. Von einer Tradition, die bereits im Barockzeitalter Musikerinnen in der Kapelle des Königs kannte, profitierte auch Louise Farrenc, die Mitte des 19. Jahrhunderts eine beeindruckende Karriere hinlegte: als Pianistin, Komponistin und weltweit erste Frau auf einer Musikprofessur.

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Love And Loss

Elena Firsova & Dmitri Smirnov
Rudersdal Chamber Players

OUR Recordings 8.226932

1 CD • 55min • 2025

23.03.20269 9 9

Die dänischen Rudersdal Chamber Players gehören zu Skandinaviens führenden Ensembles für zeitgenössische Musik. Ihre neue Aufnahme „Love and Loss“ ist eine Hommage an das Komponisten-Paar Elena Firsova und Dmitri Smirnov. Die beiden lernten sich in den frühen Siebzigern während des Studiums am Moskauer Konservatorium kennen. Ihre nonkonformistischen Werke landeten auf einer „Schwarzen Liste“. Als die Sowjetunion in den letzten Zügen lag, zogen sie nach London. 2019 nahmen die Rudersdal Chamber Players ihre Kooperation mit dem Paar auf, die jedoch im Falle von Smirnow nicht lange währen sollte. 2020 starb der Komponist an Covid. Mit der Witwe Elena Firsova arbeitet das Ensemble nach wie vor eng zusammen.

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Ferdinand Ries

Symphonies Nos. 6 & 7

Ondine ODE 1476-2

1 CD • 63min • 2023

30.03.202610 10 10

Das verdienstvolle Projekt des finnischen Labels ondine, alle acht Symphonien von Ferdinand Ries (1784-1838) aufzunehmen, ist mit dieser CD vollendet. Diese Symphonien „bilden einen beeindruckenden Kanon, der zu dem Besten gehört, was die Zeitgenossen und unmittelbaren Nachfolger geschaffen haben“, urteilt Allan Badley im ausführlichen und kundigen zweisprachigen Booklet. Allan Badley ist Musikwissenschaftsprofessor an der Universität von Auckland und Herausgeber der Ries-Werke für Klavier und Orchester. Überhaupt ist die Ferdinand-Ries-Forschung englisch dominiert, weil Ries, der äußerst weltläufige Beethoven-Schüler und Komponist, in England Mitglied und dann gleich einer der Direktoren der Philharmonic Society war und auch eine Engländerin geheiratet hatte. Sechs seiner Symphonien entstanden für diese Musikgesellschaft.

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De Profundis

Works for Soprano and Organ by Bach, Reubke, Reger, Nono, Gubaidulina & Manneke
Gudrun Sidonie Otto Soprano • Andreas Liebig Organ

arcantus arc 25050

1 CD • 59min • 2023

06.04.202610 10 10

Die in der Schweiz lebende und nicht nur als Sängerin, sondern auch als Pfarrerin wirkende Sopranistin Gudrun Sidonie Otto hat bei mir mit gleich drei Publikationen im vergangenen Jahr den stärksten Eindruck hinterlassen. Neben dem ausgewählten Album hat sie in Zusammenarbeit mit dem Organisten Andreas Liebig auch ein tiefschürfendes Brahms-Dvořák-Programm („Nostalgia“) gestaltet sowie in der Edition der Werke von Johann Daniel Pucklitz einen herausragenden Part übernommen. Immer hat ihr Einsatz den Charakter einer vokalen Verkündigung.

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Handel's Chandos Anthems No 6 & No 10

Tears Are My Daily Food

Etcetera KTC 1858

1 CD • 55min • 2024

13.04.202610 10 10

Als Spion des Kurfürsten von Hannover kam Händel 1712 nach London, um auszulo­ten, was seinen Dienstherrn aus der im Vergleich mit dieser bedeutenden europäischen Hauptstadt spießigen deutschen Residenz erwartete, wenn er – wie sich abzeichnete – die britische Königswürde antreten würde. Der Komponist, in guter deutscher Traditi­on ausgebildet und mit allen italienischen Wassern gewaschen, fiel in London auf fruchtbaren Boden, wo die italie­nische Musik in hoher Gunst stand. Eine besondere Verbindung entstand zum Herzog von Chandos, für dessen Sonntagsgottesdienste Händel die Chandos Anthems schuf. Diese Werke trafen mit ihrer Würde ebenso wie mit ihrer Innigkeit perfekt den Ge­schmack des Herzogs, der sie als very noble bezeich­nete. Noch heute nehmen sie unter den Werken Händels einen verdient hohen Platz ein.

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Iveta Apkalna

Pärt & Vasks

Berlin Classics 0304475BC

1 CD • 65min • 2025

20.04.202610 10 10

Als die Organistin Iveta Apkalna ihre Karriere begann, ging zwar auch ein Raunen durch die Orgelszene und sie startete mit bemerkenswertem Erfolg durch, doch war das damals – noch ohne soziale Medien – weit entfernt vom geradezu entfesselten Star-Hype, den manch berühmte Organistin heutzutage auslöst. Erfolgreich ist Apkalnas Karriere trotzdem verlaufen. Die Lettin hat sich etabliert, sowohl als geschätzte und gefeierte Organistin wie auch als engagierte Botschafterin der Musik ihrer Heimat. Darunter sei ausdrücklich das gesamte Baltikum verstanden, denn die Musik von dort hat das gewisse Etwas, eine ganz spezifische Aura und verinnerlichte Mystik. Das trifft auch auf Iveta Apkalna zu – ihre Einspielung mit Werken von Pēteris Vasks und Arvo Pärt ist der schlagende Beweis dafür.

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Longing

Webern | Bartók | Britten
Animato Quartet

Challenge Classics CC720035

1 CD • 68min • 2025

27.04.202610 10 10

Ein starkes Debütalbum des jungen niederländischen Animato-Quartetts, das unter dem Stichwort "Longing" die jeweils ersten Streichquartette Bartóks und Brittens präsentiert, ergänzt um Weberns frühen Langsamen Satz. Interpretationen, die von exzellenter Spielkultur, kluger Disposition der Spannungsbögen und bemerkenswerter Flexibilität zeugen.

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Oskar C. Posa

Lieder • Violin Sonata • String Quartet

voilà! V001

2 CD • 2h 26min • 2023

04.05.202610 10 10

Die wohl spektakulärste Wiederentdeckung des vergangenen Jahres war der österreichische Komponist und Dirigent Oskar C. Posa (1873-1951), der nicht nur in der Nazi-Zeit, sondern auch in den Nachkriegsjahren aus der Musikszene verbannt, ja als Künstler nachgerade ausgelöscht wurde. Der französische Musikwissenschaftler Olivier Lalane und das Label Voilà haben ihm mit einem gründlich ausgestatteten Doppel-Album eine glanzvolle Rehabilitation widerfahren lassen.

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Antonín Dvořák

String Quartets
Merel Quartet

Prospero Classical PROSP0135

1 CD • 75min • 2025

11.05.20269 10 9

Das 2002 gegründete Merel Quartet, das in Zürich zu Hause ist, hat sich zwei späten Streichquartetten von Antonín Dvořák (1841 – 1904) zugewandt, einem Meister, der in seinem reichen Kammermusikschaffen immerhin vierzehn Quartette zu verzeichnen hat. Das Streichquartett in F-Dur op. 96, das sogenannte „Amerikanische“, gehört zu seinen oft gespielten Werken, das G-Dur-Quartett op. 106, seine letzte Kammermusik-Komposition, ist dagegen ein nicht so leicht zugängliches Stück.

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Marco Marazzoli

Cantatas of Peace and Pleasure
Boston Early Music Festival

cpo 555 731-2

2 CD • 1h 29min • 2024

25.05.202610 10 10

Bislang ungehobene Schätze direkt aus den vatikanischen Archiven sind hier zu begrüßen. Fünf von insgesamt sieben Kantaten für sechs Solostimmen aus der Feder des Marco Marazzoli (um 1602 – 1662) stellt das Boston Early Music Festival Ensemble auf diesem Doppelalbum vor. In seinem wie immer bei cpo höchst informierten Begleittext gibt Paul O'Dette, einer der beiden Leiter des Ensembles und selbst an der Theorbe aktiv, einen Eindruck davon, wie mühsam es ist, modernes Aufführungsmaterial aus uralten Autographen herzustellen, die „beinahe unleserlich“ sind sowie vor „durchgestrichenen Passagen, umgeschriebenen Stimmen, falschen Noten, unlesbaren Takten, nicht zu entziffernden Texten“ und so fort geradezu strotzen.

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Frühlingsrauschen - Spring - Printemps

Nareh Arghamanyan piano

hänssler CLASSIC HC25034

1 CD • 67min • 2025

01.06.202610 10 10

Die 1989 in Armenien geborene Pianistin Nareh Arghamanyan hat zum Thema „Frühling“ eine Reihe von Klavierstücken auf dieser CD versammelt, Bekanntes wie Unbekanntes, Gehaltvolles wie eher Beiläufiges. Insgesamt ist es eine inspirierende Zusammenstellung, die den Hörer mit fast unbekannten Komponisten bekannt macht und ihn weiter forschen lässt. Wer kennt schon Paul Lindner oder Frédéric Meinders, einen recht produktiven holländischen Pianisten und Komponisten, Mel Bonis (eine französische Komponistin aus dem 19. Jahrhundert) und wer hat schon auf dem Schirm, dass der Geiger Josef Suk auch Klaviermusik komponiert hat?

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Wilhelm Grosz

Piano Music • 2
Gottlieb Wallisch

Grand Piano GP956

1 CD • 69min • 2025

22.06.202610 10 10

Er muss eine vielseitige, ja schillernde Gestalt gewesen sein mit einer bewegten Vita, der gebürtige Wiener Wilhelm Grosz (1894–1939): Schüler von so prominenten Namen wie Franz Schreker, Robert Fuchs oder Guido Adler, Pianist, Komponist, Dirigent, promovierter Musikwissenschaftler, Arrangeur und vieles mehr, nicht zuletzt künstlerischer Leiter einer Schallplattengesellschaft, nebenher Protagonist eines veritablen Skandals im Hause Arthur Schnitzler. Sein Lebensweg führte ihn Ende der 1920er Jahre nach Berlin, die Flucht vor den Nationalsozialisten dann 1934 nach London und schließlich 1939 auf Empfehlung Korngolds in die USA, wo er nur wenige Monate nach seiner Ankunft gerade einmal 45-jährig einem Herzinfarkt erlag.

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Hans Fährmann

Orgelwerke • Organ Works
Andreas Jetter

Ambiente-Audio ACD-2057

1 CD • 70min • 2025

29.06.202610 10 10

Der Schweizer Organist Andreas Jetter ist ein Mann für die ganz dicken Bretter: nachdem er das Orgelwerk von Franz Schmidt aufgenommen hat, widmet sich auf dieser CD nun zwei Orgelsonaten von Hans Fährmann, wie Schmidt spätromantische Kost, aber mit deutlich konservativerem Zuschnitt. Überspitzt formuliert müsste man bei Fährmann eigentlich von einem Zu-Spätromantiker sprechen, denn während die Tonalität schon munter in Auflösung begriffen war, huldigte er einem romantischen Stilideal – das allerdings durchaus originell, wie Jetter mit den beiden hier eingespielten Sonaten beweist. Die dreisätzige sechste und die viersätzige siebte Orgelsonate zeigen einen Komponisten, der einen durchaus individuellen Stil an den Tag legt und ebenso ungewöhnliche wie überzeugende Lösungen findet.

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Christoph Graupner

Sinfonias
Il Gardinello • Florian Heyerick

cpo 555 779-2

2 CD • 2h 25min • 2023, 2024, 2021

06.07.202610 10 10

Als Interpret und Ensembleleiter wie auch als Produzent hat sich Florian Heyerick um die Musik von Christoph Graupner (1683-1760) außerordentlich verdient ge­macht: Der bel­gische Künstler hat ei­nen maßgeblichen Anteil an der fälligen Wiederbelebung, die dem beachtlichen Schaffen dieses Komponisten seit den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhun­derts zuteil ge­worden ist. Als Generationsge­nosse von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann (mit dem ihn überdies eine enge Freund­schaft ver­band) ge­hört Graup­ner zu den Meistern der deutschen Musik des Spätbarocks, die trotz der Quali­tät ihres Schaffens bald nach ihrem Tod völlig zu Unrecht in Vergessenheit gera­ten sind.

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Joseph Haas

Sämtliche Violinwerke
Ludmila Pavlová Violine • Alissa Firsova Klavier

Ars Produktion 38 699

1 CD • 75min • 2025

13.07.202610 10 10

Im Vergleich zur Menge und hohen Qualität der Werke aus nahezu allen Genres, die Joseph Haas komponiert hat, ist die Diskographie dieses 1879 in Maihingen bei Nördlingen geborenen und 1960 in München verstorbenen Komponisten beschämend schmal. Zentrale Werke seines Schaffens wie etwa die Sonate c-Moll für Orgel, op. 12 (1907), die Sonate F-Dur für Horn und Klavier, op. 29 (1910), oder das Kammertrio a-Moll op. 38 (1912), haben es bis heute nicht auf einen Tonträger geschafft – ganz zu schweigen von den vielen Messen, Oratorien, Bühnen- und Chorwerken sowie Liedern mit und ohne Instrumentalbegleitung. Eine Komposition, die ich persönlich bis dato besonders schmerzlich auf CD vermisst habe, ist Haas’ einzige Violinsonate. Die tschechische Geigerin Ludmila Pavlová und die britisch-russische Pianistin Alissa Firsova haben sie nun für das Label Ars Produktion eingespielt, zusammen mit den übrigen Werken, die Haas für Violine und Klavier komponiert hat.

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Antonio Vivaldi

Concerti per fagotto
Miho Fukui • Ensemble F

Ars Produktion ARS38 379

1 CD/SACD stereo/surround • 69min • 2025

27.07.202610 10 10

Im Barock waren Multi-Instrumentalisten eher die Regel, denn die Ausnahme. So wurden Blockflöte, Oboe und Traverso häufig demselben Spieler in einer kombinierten Stimme zugewiesen. Dass jedoch heutzutage eine Solistin wie die Japanerin Miho Fukui sowohl das Barockfagott als auch die Barockoboe hochvirtuos und hochmusikalisch beherrscht, muss als alleinstellendes Ausnahmemerkmal gewertet werden. Selbst wenn man – wie ich – kein Verehrer Vivaldis ist, lauscht man ihren Aufnahmen mit wachsender Begeisterung.

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Franz Schubert

Complete Works for Violin and Piano
Tomoko Sawallisch Piano • Ingolf Turbarn Violin

TYXart TXA26215

2 CD • 1h 55min • 2023, 2024

03.08.20269 9 9

Franz Schuberts Werke für Violine und Klavier haben genau den Umfang, der auf zwei CDs passt. Es sind die drei Sonaten des Neunzehnjährigen, die der geschäftstüchtige Verleger Diabelli als „Sonatinen“ herausgegeben hat, dazu kommen die als „Grand Duo“ veröffentlichte Sonate A-Dur, das h-Moll-Rondo und die bedeutende C-Dur-Fantasie aus dem Jahr 1827.

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Marcel Dupré

Vocal Discoveries
Vox Ad Hoc • Tobias Frank

MDG MDG 902 2380-6

1 CD/SACD stereo/surround • 75min • 2025

10.08.20269 10 9

Ein Münchner Organist wirbt für die Chormusik eines französischen Komponisten: Tobias Frank ist Kirchenmusikdirektor an der evangelischen Kulturkirche St. Lukas in München, spielt nicht nur sehr gerne Orgelwerke von Marcel Dupré, sondern erforscht seit über zwanzig Jahren das gesamte musikalische Erbe dieses Komponisten, hat durch die Enkelin des Komponisten Alice Tollet-Szebrat Zugang zu bisher unveröffentlichten Manuskripten und hat daraus diese vorliegende Sammlung von meist Chorwerken vorgelegt, darunter auch ein paar Lieder und Werke für Klavier und für Orgel.

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A Cinematic Suite

Quintessence Saxophone Quintet

PASCHENrecords PR 260094

1 CD • 51min • 2025

17.08.20269 9 9

Das Quintessence Saxophone Quintet beweist seit drei Jahrzehnten, dass das Saxofon-Quintett eine Gattung ist, die es eigentlich gar nicht geben dürfte – fünf Instrumente derselben Familie, kein kanonisches Repertoire, keine kammermusikalische Tradition – die genau deshalb so frei ist. Ihr neues Album heißt „A Cinematic Suite‟: zehn Szenen, ein imaginärer Film. Dass er mit Bachs d-Moll-Toccata beginnt, ist kein Zufall, sondern ein Statement. Bevor das Kino kommt, wird erst einmal der Grundstein gelegt – und der heißt seit dreihundert Jahren Bach. Die Antithese zu jeder Filmmusik-Inflation, der Prüfstein, an dem sich zeigt, ob ein Ensemble mehr kann als allzu vertraute Oberflächen nachzuspielen.

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Hugo Kaun

Symphony No. 2 op. 85 • Sir John Falstaff op. 60
Rundfunksinfonieorchester Berlin • Jonathan Stockhammer

cpo 555 714-2

1 CD • 59min • 2024

24.08.202610 10 10

Das Schicksal des Berliners Hugo Kaun (1863-1932) wollte es, dass er bei zwei der großen Kontrapunktmeister der Epoche studierte: zunächst ab 1879 in seiner Heimatstadt bei Friedrich Kiel, dann in Chicago bei Bernhard Ziehn, der wie kein anderer die Schwächen Hugo Riemanns attackierte und zusammen mit seinem Meisterschüler Wilhelm Middelschulte von Busoni als „Gotiker von Chicago“ gepriesen wurde. Von 1887 bis 1900 lebte er in den USA, wo er in Milwaukee als Dirigent wirkte. Wertschätzende Freundschaft verband ihn mit Theodore Thomas, dem ostfriesischen Gründer und Chefdirigenten des Chicago Symphony Orchestra, der auch seine 1. Symphonie zur Uraufführung brachte.

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Conradin Kreutzer • Friedrich Witt

Septets
Charis-Ensemble

MDG 102 2397-2

1 CD • 62min • 1986

31.08.202610 10 10

Die klassische Tradition der Serenaden und Divertimenti schwappte auch noch ins 19. Jahrhundert über. Höchst beliebt war Beethovens 1799 vollendetes Septett, zu Lebzeiten sein größter Erfolg. Viele Beethoven-Zeitgenossen schrieben derartige „gemischte“ Kammermusik für Bläser und Streicher. Unter ihnen Conradin Kreutzer und Friedrich Witt, deren überaus charmante, geistreiche Septette das Charis Ensemble bereits 1986 für Dabringhaus & Grimm (MDG) einspielte. Eine großartige Aufnahme, die nun in der „Preziosa“-Reihe des Labels neu erscheint.

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Johannes Brahms • Robert Schumann

Sonaten für Viola und Klavier • Märchenbilder
Thomas Albertus Irnberger • Michael Korstick

Gramola 99374

1 CD • 56min • 2025

07.09.202610 10 10

Seine beiden Klarinettensonaten, diese Früchte einer späten Liebe für ein Instrument, hat Johannes Brahms immer schon auch für Viola als geeignet angesehen. Der österreichische Geiger Thomas Albertus Irnberger, der exklusiv für das Label Gramola schon über 30 CDs aufgenommen hat, betätigt sich hier als Bratschist, zusammen mit dem Pianisten Michael Korstick, der mit der Gesamtaufnahme aller Beethoven-Sonaten berühmt geworden ist, aber immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten ist. Mit ihm hat Irnberger schon viele Projekte verwirklicht – was man auch auf dieser Aufnahme hört: Es ist ein fast symbiotisches Zusammenspiel beider, ein gegenseitiges schnelles Reagieren, Reizen, Anfeuern und wohliges Singen.

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Igor Markevitch

Concerto for Piano and Orchestra | Cinema Overture | Cantique d'Amour | Lorenzo il Magnifico
Sarah Maria Sun | Jonathan Powell | Rundfunksinfonieorchester Berlin | Johannes Kalitzke

eda records 056

1 CD • 58min • 2025

14.09.202610 10 10

Igor Markevitch (1912–1983) kennt man mit gut 250 überlieferten Aufnahmen vor allem als stilbildenden Dirigenten, der – selbst von Hermann Scherchen ausgebildet – später Künstler wie Daniel Barenboim oder Herbert Blomstedt entscheidend prägte. Dabei begann seine Karriere sehr früh als aufsehenerregender Komponist. Das von Diaghilev in Auftrag gegebene Klavierkonzert hob der Cortot-Schüler einen Tag nach seinem 17. Geburtstag in London aus der Taufe. Angesichts der wirklich erstaunlichen Qualitäten und der trotz spürbarer Einflüsse Nadia Boulangers und seiner Vorbilder Strawinsky und Hindemith bemerkenswerten Eigenständigkeit seiner Musik eigentlich unverständlich, gab der Maestro das Komponieren vor Ende des Zweiten Weltkriegs, gerade mal 30-jährig, jedoch abrupt auf. Kein Wunder, dass es seine Werke so nie ins Repertoire schafften.

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Georg Philipp Telemann

Paris Quartets
Ensemble Barockin'

Raumklang RK 4401/1-3

3 CD • 3h 13min • 2022

21.09.202610 10 10

In Paris wurde Georg Philipp Telemann nicht als Musikhandwerker, sondern als intellektueller Musiker geachtet. Dort musizierte er während seines achtmonatigen Aufenthalts im Jahre 1737 mit den besten Instrumentalisten und komponierte mit übergroßem Erfindungsreichtum seine Quadri à violino, flauto traversiere, viola da gamba o violoncello und Nouveaux Quatuors TWV 43. Karl Grebe, der ehemalige künstlerische Leiter der Telemann-Gesellschaft und Verfasser einer Telemann-Monografie, konstatierte, dass diese „berühmten Quartette auch bei vielfach wiederholtem Spiel keine Ermüdungserscheinungen zeigen oder bewirken“, und schreibt weiterhin: „In diesen Kompositionen steckt eine beneidenswerte Reserve von Lebenskraft, ein Überschuss, der durch eine glänzende Kompositionstechnik, durch untrügliches Formbewusstsein und durch ein bewundernswertes Gespür für die Sprache der Instrumente kontrolliert wird, unter denen sich das Violoncello endlich einmal selbstbewusst ausleben kann.“

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