Stefania Turkevych
Violin Sonata • String Trio • Piano Quintet
Immersio Vienna & Friends
cpo 555 790-2
1 CD • 61min • 2024
26.10.2026
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Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
Durch das kammermusikalische Schaffen der ukrainischen Komponistin Stefania Turkevych (1898-1977) wird auf der vorliegenden CD eine bemerkenswerte künstlerische Entwicklung über einen Zeitraum von 35 Jahren hörbar. Möglich wird dies durch die Flexibilität des Ensembles Immersio Vienna, das, ausgehend von der Kernbesetzung als Klaviertrio, mittlerweile mit Gästen in verschiedenen Formationen musiziert. Die Violinsonate von Turkevych datiert von 1935, zehn Jahre bevor die Komponistin nach der sowjetischen Annexion der Westukraine aus ihrer Heimatstadt Lemberg (heute Lwiw) emigrierte und sich nach Umwegen über Österreich und Italien im Vereinigten Königreich niederließ. Dort komponierte sie das um 1960 vollendete Klavierquintett und das Streichtrio, dessen Entstehung sich über ein volles Jahrzehnt bis 1970 hinzog. Es bietet sich insofern an, die Playlist des Albums umzustellen und das Trio als letztes zu hören (wenngleich die Reihenfolge mit kontinuierlicher Steigerung der Besetzung auch Sinn ergibt).
Spätromantische Nachklänge
Die Violinsonate verrät deutlich, dass in Wien Josef Marx und in Berlin Franz Schreker zu den Lehrern von Turkevych zählten. Die Tonsprache ist durchaus noch spätromantisch geprägt, und Vira Zhuk an der Violine nutzt die Möglichkeiten ganz ausgezeichnet, kantilenenhafte Linien formen zu können. Mariam Vardzeslashvili vervollständigt die teils lyrischen, teils verspielten Stimmungen als Klavierpartnerin kongenial wie in der Gattung des Kunstliedes, in der Turkevych ebenfalls produktiv war (wie in jüngerer Zeit das Ukranian Art Song Project dokumentiert). Während der Andante-Mittelsatz fast Züge eines Accompagnato-Rezitativs trägt, greifen die beiden Instrumentalstimmen in den Ecksätzen wunderbar ineinander. Das Schlussrondo ist auch agogisch ein abwechslungsreiches und hörenswertes Stück mit vielen und doch organischen Umschwüngen.
Tänzerisch auf unebenem Terrain
Von den ersten Tönen an wirkt demgegenüber das Klavierquintett – für das Cornelia Löscher an der zweiten Violine, Marc Sabbah an der Bratsche und Ofer Canetti am Cello dazukommen – wie ein Gang auf unebenem Terrain, suchend nach harmonischen Klängen im Klavierpart und mit abgleitenden Glissandi und tastend gesetzten Pizzicati der Streicher. Aber auch hier beeindruckt, kompositorisch wie interpretatorisch, die konzeptionelle Entschlossenheit und Stringenz, mit der das musikalische Material ausgebreitet und zusammenführt wird. Im Mittelsatz ist gleichsam noch ein Echo der Violinsonate mit ihrer lyrischen Grundstimmung zu hören. Doch scheint sie in der diskant gesetzten Lage und mit kontrastierenden tiefen Registern beim Einsetzen des Klaviers und des Cellos zerklüftet und wie aus der Distanz heraufbeschworen. Der Schlusssatz hat hier dagegen ganz klar tänzerischen Charakter, und es sind deutlich vernehmbar Zhuk und Vardzeslashvili, die Impulse geben und regelrecht aufspielen, während die übrigen Instrumente kontrapunktisch perfekt abgestimmt mit einstimmen.
Stocken und Trotz
Das Streichtrio mutet zu Beginn insofern noch radikaler an, als in den ersten zwei Sätzen die tonalen Beziehungen zwischen den Stimmen wie in der Schwebe gehalten klingen, was stark an die Wiener Schule erinnert – tatsächlich hatte Turkevych Ende der 20er auch Vorlesungen von Schönberg besucht. Besonders die dynamischen Kontraste werden in den ersten beiden Sätzen von Vira Zhuk, Marc Sabbah und Ofer Canetti hervorragend zur Geltung gebracht, ebenso wie die stockende Motorik des Mittelsatzes. Das wiederum tänzerische Satzfinale, ein Allegro capriccioso mit einer ganz zum Schluss strettahaften Temposteigerung des Themas, klingt, wenn man sich den Lebensweg von Turkevych noch einmal vergegenwärtigt, beinahe wie ein trotziges „Jetzt erst recht“. Man begegnet auf diesem Album auf jeden Fall einer Komponistin von Format.
Dr. Sebastian Stauss [26.10.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Stefania Turkevych | ||
| 1 | Sonate für Violine und Klavier | 00:22:33 |
| 4 | Streichtrio | 00:14:34 |
| 7 | Klavierquintett | 00:23:36 |
Interpreten der Einspielung
- Immersio Vienna & Friends (Ensemble)
