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Besprechung CD

Zelenka • Händel

Missa Paschalis • Funeral Anthem for Queen Caroline
Zeronove • I Pizzicanti • Lukas Wanner

Prospero Classical PROSP0132

2 CD • 82min • 2026

05.04.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Lukas Wanner und sein vorwiegend aus fortgestrittenen Studierenden und Absolventen der Scola Cantorum Basiliensis bestehendes Vokalensemble „Zeronove“ – nach dem Gründungsjahr 2009 als Null-Neun getauft – präsentieren auf ihrer neuen Doppel-CD zwei ihrer Live-Aufnahmen: die Missa Paschalis (1726) von Jan Dismas Zelenka und das Funeral Anthem for Queen Charlotte (1737) von Georg Friedrich Händel. Hierbei begleitet sie das ebenfalls von Absolventen der SCB gebildete Ensemble „I Pizzicanti“. Allerdings ergäbe diese Kombination zweier Kompositionen für die europäischen Spitzenensembles aus Dresden und London weitaus mehr Sinn, befände sich der Händel als Passionsnachklang auf CD 1 und die fröhlich-feierliche Messe auf CD 2.

Händels letzte Verbeugung vor seiner Mäzenin

Die mit dem Kronprinzen von Hannover, dem späteren englischen König Georg II., vermählte Charlotte von Brandenburg-Ansbach hatte Händel bereits 1712 in seiner Gastrolle als hannoverscher Hofkapellmeister kennengelernt und für sie damals 10 italienische Vokalduette komponiert. Sie blieb zeitlebens eine seiner treuesten Anhängerinnen und schickte ihre Tochter Anne, die spätere Regentin der Niederlande zu ihm in den Cembalo- und Continuo-Unterricht, für den auch die vier Blockflötensonaten entstanden. F.W. Marpurg rechnete Anne unter die stärksten europäischen Liebhaber-Cembalisten.

Da der Tod der Königin unerwartet erfolgte, verblieb Händel für die Komposition der gut vierzigminütigen Trauerode HWV 264 (so die sinnvollste Übersetzung des englischen Funeral Anthem), die er für 80 Sänger und 100 Instrumentalisten im überakustischen Raum der Henry VIIth Chapel zu konzipieren hatte, nur eine Woche Zeit. Dies erklärt, dass er hier eine Fuge des Bayreuthers Johann Philiopp Krieger als Reminiszenz an die fränkische Herkunft der Königin inkorporierte. Eine ähnliche Rolle spielen das Zitat einer Begräbnismotette von Jacobus Gallus und die Anspielungen auf die lutherischen Choräle „Ach Gott vom Himmel, sieh darein“ und „Du Friedefürst, Herr Jesu Christ“.

Da der Komponist ein Meister des Recycling war, übernahm er kurz darauf die komplette Trauerode als Totenklage für Joseph in die erste Fassung von Israel in Egypt. Mozart bediente sich aus dem Werk für den Beginn seines Requiems und noch eindeutiger für die „Zwei Geharnischten“ in der Zauberflöte.

Triumphales vom „böhmischen Bach“

Jan Dismas Zelenka, Geiger, Kontrabassist und „Kirchen-Compositeur“ am sächsisch-polnischen Hof, gilt wegen seiner überaus komplexen Kontrapunktik und kühnen Harmonik als der „böhmische Bach“. Seine prunkvoll-fröhliche Ostermesse, die Missa Paschalis ZWV 7 mit immerhin 4 Trompeten und Pauken von 1726 ist ein leuchtendes Beispiel für die katholische Messkomposition des Spätbarock. Dabei ist es keinesfalls undenkbar, dass diese Komposition Vorbildcharakter für die Missa Brevis-Fassung von Bachs h-Moll-Messe von 1733 hatte, mit der dieser sich um den Titel eines sächsischen Hofkomponisten bewarb.

Für „live“ beachtlich

Lukas Wanner, Zeronove und I Pizzicanti schlagen sich in diesen anspruchsvollen Kompositionen durchaus wacker. Dass sich kleine Ungenauigkeiten einschleichen, sei ihnen geschenkt. Allerdings ist der Händel auf maximales Pathos und große Besetzung hin konzipiert. Ein Pianissimo von 80 Sängern hat eine ganz andere spannungserzeugende Wirkung als das eines Vokalensembles. Zudem fehlen wirklich tiefe Bässe, die dem teils düster dräuenden Charakter der ersten Hälfte als einem memento mori gerecht werden. Das haben John Eliot Gardiner und William Christie in ihren Studio-Produktionen wirkmächtiger realisiert. Auch bei Zelenka ist die Prager Aufnahme unter Adam Viktora – wenngleich in den Soloabschnitten nicht so phantasievoll verziert – aufgrund des besseren Klangbalance immer noch die erste Wahl. Booklet und Aufnahmetechnik sind ordentlich.

Fazit: Eine Aufnahme, bei der man die zweite CD tunlichst vor der ersten hört. Da beide Werke relativ selten eingespielt und aufgeführt werden, lohnt es sich, sie kennenzulernen.

Vergleichsaufnahmen: Zelenka, Viktora – Ensemble Inégal, Prague Barorque Soloists, Nibiru - Händel, J. E. Gardiner, Monteverdi Choir, Warner, W. Christie, Les Arts Florissants, harmonia mundi.

Thomas Baack [05.04.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jan Dismas Zelenka
1Missa Paschalis ZWV 7 00:38:37
CD/SACD 2
Georg Friedrich Händel
1Funeral Anthem for Queen Caroline HWV 264 (The ways of Zion so mourn) 00:43:08

Interpreten der Einspielung

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