"Kurt Weill in Hollywood" - neuer Blick auf Weills Filmarbeiten
Aufführung bisher unveröffentlichter Werke des Komponisten in Berlin
Unter dem Titel "Kurt Weil in Hollywood" feiern bislang unveröffentlichte Werke des Komponisten ihre Uraufführung in Berlin. Der Konzertabend mit originalen Filmausschnitten findet am 24. u 25. April im Theater im Delphi statt. Der Dirigent und Pianist Philip Headlam bringt dort ein bislang unbeleuchtetes Kapitel der Musikgeschichte auf die Bühne und präsentiert erstmals sämtliche Lieder und ausgewählte Musik aus Kurt Weills Hollywood-Arbeiten in einem dramaturgisch konzipierten Konzert – ergänzt durch originale Filmausschnitte und historisches Bildmaterial.
Premiere bisher unveröffentliche Werke
Mehrere der auf dem Programm stehenden Stücke werden dabei erstmals öffentlich aufgeführt und erleben ihre Weltpremiere. Sie wurden von Kurt Weill für Hollywood-Filmproduktionen komponiert, jedoch im Produktionsprozess gestrichen oder nie veröffentlicht und blieben jahrzehntelang in Archiven verborgen. Das Berliner Projekt macht diese Musik nun erstmals in ihrem ursprünglichen Kontext hörbar. Kurt Weill lebte und arbeitete bis 1933 in Berlin, bevor er vor dem nationalsozialistischen Regime ins Exil fliehen musste. Nach Zwischenstation in Paris gelangte er 1935 in die Vereinigten Staaten, wo er sich rasch als einer der bedeutendsten Komponisten für Broadway und Theater etablierte. Weniger bekannt ist, dass Weill zwischen 1937 und 1948 auch für Hollywood arbeitete. In dieser Zeit komponierte er Musik für mehrere Filmproduktionen sowie für Verfilmungen seiner eigenen Bühnenwerke. Dazu gehören unteranderem die Filme You And Me von Fritz Lang, Where Do We Go From Here? sowie die Verfilmung des Broadway-Musicals .One Touch Of Venus.
Unveröffentlichte Filmmusik
Darüber hinaus entstand ein vollständiger Filmscore für das Projekt The River Is Blue (ursprünglich Castles In Spain), dessen Musik jedoch nach Änderungen des Drehbuchs nicht verwendet wurde. Große Teile dieser Komposition wurden nie orchestriert oder veröffentlicht und existierten bislang nur als Manuskripte. Aus diesem ungenutzten Filmscore werden in Berlin mehrere Nummern erstmals öffentlich aufgeführt. Dazu gehören neben instrumentalen Szenenmusiken auch Lieder, die ursprünglich für den Film vorgesehen waren. Weitere Stücke stammen aus Filmen, in denen Weills Musik im Schnittprozess reduziert oder verändert wurde. Das Konzert stellt diese Werke wieder in ihrer ursprünglichen Form vor und ermöglicht so einen neuen Blick auf Weills Filmarbeiten. Mehrere der Filme, für die Kurt Weill Musik schrieb, standen inVerbindung mit prägenden Persönlichkeiten der damaligen Film-undKulturszene. Dazu zählen unter anderem der Hollywood Star Ava Gardner, der Liedtexter Ira Gershwin sowie der Dramatiker Clifford Odets, der in den 1930er-Jahren mit sozialengagierten Theaterstücken bekannt wurde. Seine künstlerischen Anliegen berührten sich in vieler Hinsich mit denen KurtWeills.
Live-Musik und Filmausschnitte
Der Abend verbindet Live-Musik mit Filmausschnitten aus den jeweiligen Produktionen. Für jeden der drei veröffentlichten Filme werden mehrere Minuten Filmsequenzen gezeigt, die direkt mit der Musik korrespondieren. Das Publikum kann so nachvollziehen, wie Weill seine Kompositionen auf Szenen, Figuren und dramaturgische Situationen abgestimmt hat. Die Verbindung von Konzert und Film macht deutlich, wie eng seine Lieder mit Handlung, Atmosphäre und visueller Gestaltung der Filme verbunden sind.
Die Aufführungen finden im Theater im Delphi in Berlin-Weißensee statt. Das Gebäude wurde 1929 als Stummfilmkino eröffnet und später zu einem Veranstaltungsort für Musik und Theater umgebaut. Damit entsteht eine historische Verbindung: Ein Komponist, der in Berlin seine Karriere begann und von hier ins Exil gehen musste, kehrt mit seiner Hollywood-Filmmusik an einen Ort zurück, der selbst aus der frühen Filmkultur der Stadt stammt.
Gesangspartien live mit Sopranistin und Bariton
Das Projekt wird von Philip Headlam geleitet, der als Dirigent und Pianist international tätig ist und seit vielen Jahren zu Kurt Weill arbeitet. Er dirigierte unter anderem beim Kurt-Weill-Fest in Dessau und hat sich intensiv mit den weniger bekannten Teilen von Weills Werk beschäftigt. Die Gesangspartien übernehmen die britische Sopranistin Katherine Manley, die unter anderem am Théâtre du Châtelet in Paris sowie an zahlreichen europäischen Opernhäusern aufgetreten ist,und der amerikanische Bariton Michael Todd Simpson, der unter anderem an derMetropolitan Opera, der San Francisco Opera und beim Festivald’Aix-en-Provence sang. Für die visuelle Gestaltung mit Filmausschnitten und historischem Materialist die Video designerin und Dramaturgin Barbara Weigel verantwortlich.

