Albert Franz Doppler war zu Lebzeiten ein namhafter Komponist und einer der bedeutendsten Flötenvirtuosen des 19. Jahrunderts. Er wurde am 16.10.1821 in Lemberg (Lwiw in der heutigen Ukraine) geboren. Sein Vater war Militärkapellmeister und später Oboist am Warschauer Theater. Von ihm erhielt Franz seine musikalische Ausbildung. Schon im Alter von neun Jahren gab er im dortigen Redoutensaal am 1. Juli 1831 sein Debüt als Flötist. Als Dreizehnjähriger debütierte er in Wien und unternahm bald darauf zusammen mit seinem Bruder Karl erfolgreiche Konzertourneen, die ihn nach Polen, Russland, Ungarn und Rumänien führten. Eine besondere Attraktion bei den virtuosen Flötenkonzerten des Brüderpaar war, dass sein Bruder Karl das linkshändige Flötenspiel beherrschte und die beiden Duettierenden sich spiegelbildlich gegenüberstanden. 1838 wurde Doppler Erster Flötist am Deutschen Theater in Pest, drei Jahre später wechselte er ans Ungarische Nationaltheater Budapest. 1847 wurde dort seine erste Oper Benjowski unter großem Beifall aufgeführt, seine zweite Oper Ilka folgte 1849 und brachte es bis zum Ende des Jahres auf 40 Aufführungen. Auch mit weiteren Opern (Afanasia, Wanda, Erzébeth, Die beiden Husaren) war Doppler erfolgreich. 1853 gründete er zusammen mit seinem Bruder Karl und Ferenc Erkel das erste ungarische Symphonieorchester. Im Laufe der nächsten Jahre unternahm er zusammen mit Karl weitere Konzertreisen, u.a. nach Brüssel und nach Weimar, wo sie Franz Liszt begegneten, und schließlich 1856 nach England. Besonders in London konnten sie dort große Erfolge feiern. Am 1. Februar 1858 wurde Doppler Soloflötist, Kapellmeister und Zweiter Ballettdirigent am Hofoperntheater in Wien, von 1864 bis 1867 war er auch als Professor für Flöte am Konservatiorium der Gesellschaft der Musikfreunde Wien tätig. Bei allem Erfolg blieb Franz Doppler ein liebenswürdiger, bescheidener Mensch, was ihm viele Sympathien und Freundschaften einbrachte. Für das Wiener Opernhaus schrieb er 15 Ballette, u.a. Irene, Der Kaminfeger von London (53 Mal aufgeführt), Rosine (nach dem Barbier von Sevilla), Das Waldfräulein, Aus der Heimath, Chica, Margot, Stock im Eisen, Fiamella und die berühmte Melusine. Seine letzte Oper Judith (1870) konnte allerdings nicht mehr an die früheren Opernerfolge anknüpfen. Eine zunehmende Kränklichkeit machte Doppler immer mehr zu schaffen. Nach jahrelangem Leiden begab er sich in den ersten Junitagen 1883 als Kurgast nach Baden bei Wien, wo er sieben Wochen später am 27. Juli starb. Seine spieltechnisch höchst anspruchsvollen Flötenkompositionen, vor allem Opernpotpouris und Charaktervariationen, sind heute noch immer in Soloprammen bekannter Künstler oder als Encores zu hören. Besondere Popularität genießt dabei bis heute seine Fantaisie pastorale hongroise op. 26 für Flöte und Klavier. In Vergessenheit geraten sind dagegen seine einst beliebten Opern und Ballettmusiken.
»Albert Franz Doppler: Biographie und Einspielungen«
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