Mit Jan Pieterszoon Sweelinck ging die Ära der sogenannten „niederländischen Schule“ ihrem Ende entgegen. Komponisten wie Johannes Ockeghem, Josquin Desprez und Orlando di Lasso hatten die Vokalpolyphonie der Renaissance zwischen 1450 und 1600 entscheidend geprägt und zu einem kunstvollen Höhepunkt geführt. Mit seinen über 250 erhaltenen Vokalwerken in französischer, italienischer und lateinischer Sprache setzte Sweelinck vor dem Übergang in das Zeitalter der Barockmusik einen künstlerischen Schlusspunkt dieser vokalen Satztechnik. Als Orgelkomponist und Lehrer beeinflusste er dagegen entscheidend die Entwicklung der Norddeutschen Orgelmusik und wirkte so stilbildend in die Zukunft. Sweelinck war der berühmteste und bedeutendste Orgellehrer seiner Zeit, der für seine Schülerschar sogar eine Art Internatsschule unterhielt. Einige seiner Schüler wurden später selbst bedeutende Organisten, unter ihnen Samuel Scheidt und Heinrich Scheidemann, die beide in Hamburg den norddeutschen Orgelstil mit ausprägten. Von Johann Matheson wurde Sweelinck noch 1740 der „norddeutsche Organistenmacher“ genannt. Jan Pieterszoon Sweelinck war das älteste von vier Kindern des Organisten Pieter Swybbertszoon und seiner Frau Elske Jansdochter Sweeling. Er wurde im April 1562 in Deventer geboren. Die Familie übersiedelte nach Amsterdam, als der Vater 1564 als Organist an die Oude Kerk berufen wurde. Vermutlich hat Jan Pieterszoon seine musikalische Grundausbildung von seinem Vater erhalten. Dieser starb bereits, als Jan Pieterszoon erst elf Jahre alt war. Bereits im Alter von 14 oder 15 Jahren trat Jan Pieterszoon seinerseits das Amt als Organist an der Oude Kerk an, das er 44 Jahre lang innehatte. Nach seinem Tod übernahm sein ältester Sohn Dirck Janszoon dieses Amt in dritter Generation. Sweelincks Improvisationskunst war eine der Hauptattraktionen der Stadt Amsterdam, die zahllose Besucher auch von weit her lockte, so dass die Oude Kerk meist überfüllt war, wenn er spielte. Ab ca. 1590 entstanden aus seinen täglichen Improvisationsstunden um 18 Uhr die ersten „Abendmusiken“, bei denen auch Ensembles auftraten. Diese Abendmusiken prägten den Alltag der Stadt insofern entscheidend mit, da sie auch dazu dienten, währenddessen auch Handel zu treiben und Geschäfte abzuschließen. Dieses Vorbild griff Dietrich Buxtehude für seine abendlichen Konzerte in Lübeck auf. Sweelincks mehr als 70 Werke für Tasteninstrumente wurden zu seinen Lebzeiten nie gedruckt. Sie sind nur als Abschriften seiner Schüler überliefert und dienten vermutlich hauptsächlich als Anleitungsmaterial für den Kompositions- und Improvisationsunterricht. Am 16. Oktober 1621 starb Jan Pieterszoon Sweelinck unerwartet im Alter von 59 Jahren.
»Jan Pieterszoon Sweelinck: Biographie und Einspielungen«
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