Dieter Ammann
glut • music for orchestra
Orchestre de la Suisse Romande • Jonathan Nott
Schweizer Fonogramm SF0020
1 CD • 55min • 2022, 2023
17.02.2026
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Klassik Heute
Empfehlung
Spätestens seit seinem epochalen Klavierkonzert Gran Toccata von 2019 (siehe unsere Besprechung http://www.klassik-heute.com/4daction/www_medien_einzeln?id=23416 ) gilt der Schweizer Dieter Ammann (Jg.1962) endlich auch jenseits seiner Heimat zu Recht als ein Meister faszinierender Orchesterwerke. Ammann kam relativ spät auf die klassische Schiene, studierte nach Jazz- und Funk-Erfahrungen Komposition und besuchte Meisterkurse bei Wolfgang Rihm oder Witold Lutoslawski. Dass er sich gerade für seine Orchester-Partituren sehr viel Zeit nimmt, zahlt sich offenkundig aus. Die Ergebnisse sind stets faszinierend, überzeugen mit einer einmaligen Farbigkeit und Schönheit, wofür nicht nur Techniken etwa der französischen Spektralisten verantwortlich sind. Sinn für, allerdings nie vorgefasste Form und bis ins feinste Detail ausgearbeitete Instrumentation ließen Werke mit der Perfektion schweizerischer Uhren entstehen. Auch Ammanns Verständnis für Improvisatorisches wird immer eingebracht, aber stets präzise ausnotiert.
Core ‒ Turn ‒ Boost in unwiderstehlicher Darbietung
Die drei Orchesterwerke entstanden über einen Zeitraum von knapp 10 Jahren als Auftragswerke für das Luzerner Sinfonieorchester bzw. das Lucerne Festival. Boost und Core wurden 2002 von Jonathan Nott bzw. Peter Rundel uraufgeführt. Das verbindende, zunächst langsame, aber schließlich völlig umkippende Mittelstück ‒ daher der Titel: Turn ‒ erklang erstmals 2010 mit den obigen, nun zyklisch als symphonisches Triptychon angeordneten Werken unter Pierre Boulez, dann 2022 anlässlich Ammanns 60. Geburtstag mit der Basel Sinfonietta und dem Dirigenten Baldur Brönnimann. Diese vom Rezensenten an anderer Stelle hochgelobte Aufführung wurde dann von Naxos veröffentlicht. Die neue Genfer Studioaufnahme, heutzutage selten genug, mit dem Orchestre de la Suisse Romande unter Leitung seines Chefs setzt den begeisternden Stücken dann jedoch nochmals die Krone auf. Da ist zum einen eine absolut grandiose Aufnahmetechnik, die keine Wünsche offenlässt: perfekte Dynamik und Räumlichkeit sowie eine Mikrofonierung, die z. B. gerade das zahlreiche im hohen Klangspektrum angesiedelte Schlagwerk voll zur Geltung bringt. Dass zudem eine absolut stimmige Gesamtbalance herrscht, liegt natürlich einmal mehr an Notts ausgezeichnetem Dirigat, der sich bei den Eckstücken angesichts der veritablen Virtuosität seines Orchesters spürbar schnellere Tempi erlauben darf. Der Rezensent durfte Boost und glut 2022 mit dieser Besetzung in München erleben, und schon damals war erstaunlich, wie Orchester und Dirigent diese komplexe Musik mit ihren emotional mitreißenden, oft unvorhersehbaren Entwicklungen verinnerlicht hatten wie Klassiker.
Ammanns glut ‒ eine musikalische Großtat
Der Titel des 2016 aus der Taufe gehobenen Orchesterstücks glut kann doppelt hergeleitet werden: Dem deutschen Wort entspräche die unwiderstehliche, nach außen drängende Energie, dem englischen Begriff die „Überfülle“ und Ereignisdichte des erklingenden Materials. Hier gibt es, was Ammann in neueren Werken öfter zulässt, auch tonale Anklänge auf der Basis von Zentraltönen. Die Wirkung des Ganzen ist schlicht überwältigend und selbst für nicht notorische Neue-Musik-Hörer in seiner überraschenden Natürlichkeit unmittelbar attraktiv. Selten erlebt man derart gelungene groß besetzte neue Orchestermusik auf einer CD. Da die äußere Aufmachung dieser Veröffentlichung neben den glanzvollen musikalischen Darbietungen ebenso überzeugt, – guter Booklettext mit zahlreichen persönlichen Fotos – verdient dieses Album fraglos die Höchstbewertung.
Vergleichsaufnahme: [Core ‒ Turn ‒ Boost] Basel Sinfonietta, Baldur Brönnimann (Naxos 8.551474, 2022).
Martin Blaumeiser [17.02.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Dieter Ammann | ||
| 1 | glut | 00:19:07 |
| 2 | Core | 00:09:01 |
| 3 | Turn | 00:13:05 |
| 4 | Boost | 00:13:17 |
Interpreten der Einspielung
- Orchestre de la Suisse Romande (Orchester)
- Jonathan Nott (Dirigent)

