Perfect Happiness?
Romantic Works from Leipzig
Lilit Grigoryan and David Petersen
Berlin Classics 0304384BC
1 CD • 60min • 2024
18.02.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Beide Interpreten sind Professoren an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Rostock: David Petersen, der Solo-Fagottist des Gewandhausorchesters Leipzig, und die aus Armenien stammende Pianistin Lilit Grogoryan. Sie haben sich zusammengetan, um einen Wunsch von David Petersen zu realisieren: das Repertoire für Fagott zu erweitern – und sei es auch durch Anleihen bei anderen Kompositionen. Herausgekommen ist diese CD des Labels Berlin Classic mit romantischen Werken dreier Komponisten, die in Leipzig gewirkt haben: Felix Mendelssohn Bartholdy, Ignaz Moscheles und Robert Schumann. Nur das Grand Duo Concertant op. 34 von Moscheles ist eine Eigenkomposition für Fagott (oder auch Cello), bei Mendelssohns Cello-Sonate op. 45 übernimmt Petersen einfach den Cello-Part, die Kinderszenen von Schumann, ursprünglich für Klavier, arrangieren beide Solisten für ihr Duo. Und warum all dies? „Weil es für Fagott kaum romantische Musik gibt, Leipziger Stars der Romantik uns aber so ans Herz gewachsen sind, dass wir es wagen, neue Klänge zu erproben“, schreiben beide Künstler im Booklet.
Plastisches und farbenreiches Fagott-Spiel
In der Tat: Fagott ist kein genuin „romantisches“ Instrument. Aber David Petersen gelingt es, im Grand Duo Concertant op. 34 von Moscheles seinem Instrument alle nur möglichen Klangfarben zu entlocken, es singen oder unwillig brummen, weich klagen oder entschieden-sonor „erzählen“ zu lassen. Da ist das Fagott an seinem angestammten Platz. Im Andante doloroso hört man dann die „teils mysteriöse und geheimnisvolle Klangfarbe“, die Wikipedia diesem Instrument zuschreibt. Das Blasen und Anblasen beim Fagott ermöglicht andere – hier nicht unbedingt bessere – Möglichkeiten des Phrasierens, vor allem aber bringt David Petersen in der Sonate für Klavier und Violoncello op. 45 von Felix Mendelssohn-Sonate alle Klangfarben seines Instrumentes, auch in den tiefsten Tiefen, zum Blühen. Ungemein plastisch und auch wieder klangfarbenreich ist sein Spiel im zart wiegenden Andante. Im Titel ist der Vorrang des Klaviers schon angedeutet – Lilit Grigoryan agiert hier wahrlich nicht als Begleiterin, sondern eher als sehr temperamentvolle Antreiberin, die das heißspornige Allegro, das so viele Mendelssohn-Werke trägt, realisiert. Aber trotz alledem beschleicht den Rezensenten das gewiss subjektive Gefühl, dass diese Sonate eben nicht für Fagott Instrument geschrieben ist.
Singen und Sagen auf dem Fagott
In den Kinderszenen von Robert Schumann nun ergibt sich durch die Aufspaltung des musikalischen Geschehens auf zwei Instrumente notwendigerweise auch eine Aufspaltung in die Melodie und ihre Begleitung. Das klappt gut etwa in der Kuriosen Geschichte (Track 8) und Haschemann (Track 9), auch in der ernsten Ansprache in Der Dichter spricht (Track 18), weniger gut in den melodiösen Stücken, die ja nicht nur von der Melodie, sondern auch von deren Einbettung in subtile Harmonien leben, die hier aber in zwei Teile zerfallen. Vor allem ist es bei der Träumerei (Track 13) der Fall, deren musikalischer Zauber dadurch vermindert wird. Was aber bleibt, ist die Kunst des Sagens und Singens auf einem Fagott, die David Petersen hier aufs Schönste demonstriert. Und die Spielfreude und vorantreibende Energie von Lilit Grigoryan ist ein einziges Hörvergnügen.
Rainer W. Janka [18.02.2026]
Anzeige
Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Felix Mendelssohn Bartholdy | ||
| 1 | Sonate Nr. 1 B-Dur op. 45 für Violoncello und Klavier | 00:23:32 |
| Ignaz Moscheles | ||
| 4 | Grand Duo Concertant B-Dur op. 34 | 00:20:52 |
| Robert Schumann | ||
| 7 | Kinderszenen op. 15 (Bearb. für Fagott und Klavier David Petersen und Lilit Grigoryan) | 00:15:33 |
Interpreten der Einspielung
- David Petersen (Fagott)
- Lilit Grigoryan * 1985 (Klavier)

