Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

Besprechung CD

If Love's A Sweet Passion

Händel • Purcell
Adriana Savall & Petter Udland Johansen

Prospero Classical PROSP0123

1 CD • 77min • 2024

04.02.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Das Programm „If love’s a sweet passion“ erkundet das Thema der Liebe in der Musik von Henry Purcell und George Friedrich Händel. Die katalanische Sopranistin Arianna Savall und der norwegische Tenor Petter Udland Johansen präsentieren Arien und Duette der beiden großen Barockkomponisten. Apart ist es, dass sie auch im „echten Leben“ miteinander liiert sind. Als Partner haben sie sich die in Bern ansässige „Freitagsakademie“ für Alte Musik mit ins Boot geholt. Während Purcells Klangsprache mit ihrer rhetorischen Klarheit und längeren, wellenförmigen Melodien unverkennbar englisch geprägt ist, trumpft der 25 Jahre jüngere Wahl-Londoner Händel mit italienisch anmutender Dramatik auf. Die Liebe in all ihren Facetten ist Thema bei beide Komponisten; von der zarten Sehnsucht bis zum bitteren Verlust.

Sehnsucht, Verlust, Abschied

Ein Beispiel für Henry Purcells zarte Innigkeit ist das titelgebende Duett If love’s a sweet passion aus der Oper The Fairy Queen nach Shakespeares Sommernachtstraum. Arianna Savall und Petter Udland Johansen singen dieses Stück über Verlust und Abschied unglaublich schön und eindringlich.

Ebenso anrührend: die berühmte Klage der Dido aus Purcells Oper Dido and Aeneas. In dieser Szene, in der Dido sich umbringen will, weil der geliebte Aeneas auf Geheiß der Götter weiterziehen muss, überzeugt Arianna Savall mit einer Balance von Schmerz und Anmut. Ihre Stimme fasziniert durch Klarheit und Geschmeidigkeit – ein mädchenhafter, warmer Sopran, mit natürlicher Phrasierung und feinem Vibrato, der Höhen mit Leichtigkeit meistert. Die katalanische Sopranistin, Tochter des bekannten Gambisten Jordi Savall, wird von der Freitagsakademie gleichsam auf Händen getragen. Leidenschaftlich, mit scharf zugespitzten Dissonanzen, schwingen die Musiker im klagenden, absteigenden Ostinato.

Farbenreiche Freitagsakademie

Die Freitagsakademie, die von der Oboistin von Katharina Suske geleitet wird, tritt hier mit zehn Musikern an. Zu Oboe, Blockflöten und Fagott gesellt sich eine farbenreiche Continuo-Gruppe. Die Musiker stellen Purcells musikalischer Sprache transparent, farbenreich und ausdrucksstark dar. Auch bei den Händel-Arien beflügeln sie die Sänger bei der Darstellung einer reichen Bandbreite von Emotionen.

In der Oper Giulio Cesare treibt Händel den Konflikt zwischen Liebe und Politik auf die Spitze. Cleopatra beleuchtet er als eine außerordentlich tiefgründige Frauenfigur. Arianna Savall wählte die Arie Se pietà di me non senti, in der Cleopatra Gott um die Rettung Cäsars anfleht – anderenfalls will sie selbst sterben. Die Sopranistin singt das mit zarter Verletzlichkeit. Die Verzweiflung wird glaubwürdig, ohne je ins Sentimentale abzugleiten. In Händels Semele wiederum beschwört Jupiter die Königstochter Semele, bei ihm zu bleiben. Petter Udland Johansen verleiht dem Göttervater eine erhabene und zutiefst menschliche Ausdruckskraft.

Warmes, beseeltes Klangbild

Temperamentvoller geht es in der Ritter-Oper Amadigi di Gaula zu, wenn die Zauberin Melissa von Amadigi abgelehnt wird und in wütenden Koloraturen um Rache fleht. In der Arie Ah! Spietato! offenbart Arianna Savall die Leidenschaft dieser zwischen Liebe und Hass hin und her gerissenen Figur.

Die Interpreten haben sich für ein warmes, beseeltes Klangbild entschieden, das sich wohltuend vom harschen, scharf artikulierten Klang manch anderer Alte-Musik-Ensembles abhebt. Emotionale Tiefe entfaltet sich hier ohne jegliche Übertreibung und Rührseligkeit. Ausdruck erwächst aus der stilistischen Präzision.

Und so erzählen die Arien nicht nur von historischen oder mythologischen Figuren, sondern berühren mit zeitlosen Gefühlen wie unerfüllter Sehnsucht oder Abschiedsschmerz. Ganz unmittelbar erfährt der Hörer einen Zugang zur emotionalen Vielfalt und Schönheit der barocken Musik.

Antje Rößler [04.02.2026]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Henry Purcell
1If love's a sweet passion (aus: The Fairy Queen Z 629) 00:03:52
2How blest are shepherds (aus: King Arthur Z 628) 00:04:13
Georg Friedrich Händel
3May peace in Salem ever dwell! ... Will the sun forget to streak (Queen of Sheba - aus: Solomon HWV 67, Oratorium in drei Akten) 00:05:35
5Tune your harps (aus: Esther HWV 50, Oratorium) 00:04:10
6Il crudel m'abbandona ... Ah! Spietato! (Melissa - aus Amadigi di Gaula HWV 11) 00:05:34
8As steals the morn upon the night (Duett für Sopran und Tenor - aus: L' allegro, il penseroso, ed il moderato HWV 55) 00:05:35
9Chaconne (aus: Terpsichore HWV 8b) 00:04:48
10Che sento? oh Dio! (Reecitativo accompagnato, 2. Akt, 8. Szene - aus: Giulio Cesare in Egitto) 00:01:03
11Se pietà di me non senti (2. Akt, 8. Szene - aus: Giulio Cesare in Egitto) 00:09:05
12Where'ver you walk, cool gales shall fan the glade (Arie des Jupiter - aus: Semele HWV 58) 00:05:39
13I must with speed amuse her (Arie des Jupiter - aus: Semele HWV 58) 00:04:08
14Ye verdant plains and woody mountains (Rezitativ Galatea - aus: Acis and Galatea HWV 49) 00:00:50
15O didst thou know the pains ... As when the dove laments her love (Rezitativ und Arie Galatea - aus: Acis and Galatea HWV 49) 00:07:13
17'Tis done, Heart ... Heart, the seat of soft delight (Rezitativ und Arie Galatea - aus: Acis and Galatea HWV 49) 00:04:20
Henry Purcell
19Thy Hand, Belinda (aus: Dido and Aeneas) 00:00:51
20Dido's Lament (When I am laid in Earth - aus: Dido and Aeneas) 00:03:26
21How happy the lover (Chaconne und Duett - aus: King Arthur Z 628) 00:06:49

Interpreten der Einspielung

Das könnte Sie auch interessieren

25.12.2025
»zur Besprechung«

Where Is Love?, Petter Udland Johansen • Christian Gutfleisch

10.01.2024
»zur Besprechung«

Arianna Savall, Petter Udland Johansen, El cant de la Sibil.la • Draumkvedet

29.04.2023
»zur Besprechung«

Johann Gottlieb Janitsch, Chamber Music

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige