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Besprechung CD

Adriana González

Rondos for Adriana
Ensemble Diderot

Audax Records ADX11215

1 CD • 74min • 2024

17.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die guatemaltekische Sopranistin Adriana González, die bisher eine Gesamtaufnahme der Lieder von Isaac Albeniz und zwei Alben mit französischem Liedrepertoire vorlegte, nahm ihr Debut als Fiordiligi an der Hamburgischen Staatsoper zum Anlass, sich einmal näher mit dem Repertoire der allerersten Fiordiligi und Vornamenscousine, Adriana Ferrarese del Bene zu beschäftigen. Dabei kam eine höchstklassige CD heraus, die interessante Einblicke in die Opernkomposition der Mozart-Zeit vermittelt und einige hochvirtuose Leckerbissen von Kollegen des Salzburgers und sehr geschmackvoll verzierte Highlights aus Così und Figaro zur Diskussion anbietet. Joseph Pramsohler stellte sein renommiertes Ensemble Diderot zur Verfügung und fungierte als Konzertmeister für den baskischen Dirigenten Iñaki Encina Oyón.

Adriana, der Wiener Star

Adriana Ferrarese del Bene war eine im Wien des späten 18 Jahrhunderts äußerst populäre Sopranistin, deren Spezialität der „Canto di sbalzo“ war, der sich durch Stimmungswechsel und vor allem durch weite Sprünge auszeichnet. Er erfordert einen großen Stimmumfang, der vor allem auf einem gut durchgebildeten und jederzeit mit dem Mittelregister mischbaren Brustregister basiert. Dies ermöglicht einen Umfang von g – d3. Ein weiteres Charakteristikum ihres Stils war die Vorliebe für Rondós. Deshalb tauschte Mozart für die Prager Aufführung des Figaro die berühmte Rosenarie gegen das eigens für die Ferrarese komponierte virtuose Rondó Al desio KV 577, das deshalb folgerichtig in dieser Aufnahme zu hören ist.

Rondo versus Rondó

Das Opern-Rondó des späten 18. Jahrhunderts kombiniert eine langsame Da-Capo-Arie mit einem schnellen Schlussteil. Es ist somit Vorläufer der von Rossini bis zum mittleren Verdi üblichen Kombination aus langsamer Cavatine und schneller Cabaletta. Unser heutiger Begriff leitet sich vom instrumentalen französischen Terminus „Rondeau“ ab, das zunächst einen Refrain mit einer unterschiedlichen Anzahl an Couplets kombinierte. Diesen Unterschied illustriert Johannes Pramsohler mit den zwei Mozart-Rondos für Violine und Orchester KV 373 und 269 sehr eindrucksvoll, die dem klassischen ABACABA-Muster folgen, wenngleich mir das Tempo in KV 373 etwas arg rasch erscheint.

Trouvaillen erster Güte

Außer den Werken Mozarts dürfte man weder Kompositionen noch Komponisten dieser Aufnahme kennen und lernt deshalb nebenher eine Menge über den Vokalstil des ausgehenden 18. Jahrhunderts, wobei man feststellen muss, dass nicht nur das Salzburger Genie diese Tonsprache perfekt beherrschte. Einzig Giuseppe Tommaso Giordani dürfte den Meisten bereits untergekommen sein, schließlich stammt nach neusten Forschungen der Evergreen Caro mio ben aus seiner Feder. Besonders beeindruckend und deshalb als Anspieltipp genannt sein, sollen hier die Rondós von V. Martin y Soler (Track 2) und das ausgesprochen reizvoll instrumentierte des Mozart-Schülers Joseph Weigl.

Stupende Leichtigkeit in allen Lagen

Adriana González ist ein Phänomen! Schon lange habe ich keine Sopranistin mit einem derart perfekten Registerausgleich und einer gleichzeitig derart perlenden Geläufigkeit erlebt und dies, obwohl sie auch Rollen wie Liú und Michaela im Repertoire hat, die großen lyrischen Klang erfordern. Auch dürfte es wenige Sängerinnen geben, denen die Vollhöhe bis zum d3 in allen dynamischen Graden zur Verfügung steht, sodass sie sich einen Spaß daraus machen können hohe Cs im Piano zu nehmen und sie dann anschwellen zu lassen. Ihr Instrument ruht auf einem perfekt verblendeten Brustregister, das sie flexibel ab e1 – wie von Manuel Garcia empfohlen – in den Klang mischen kann. Dies erlaubt ihr mit den, den meisten Sopranistinnen unbequem liegenden Tönen unterhalb des c1 beliebig zu spielen und – wenn ich richtig gehört habe – in das Rondó der Fiordiligi sogar ein ganz kurzes tiefes e zu schmuggeln. Zudem ist ihr Singen ein Musterbeispiel für die Tatsache, dass eine Legato-Phrasierung in größeren Bögen und eine Formung von Koloraturpassagen nur mithilfe eines unaufdringlichen, schnellen Vibratos möglich sind.

Auch instrumental ist die Einspielung ein Genuss. Besonders die Bläser sind Extraklasse und intonieren im virtuosen Satz Mozarts im Susanna-Rondó auf 2 Bassetthörnern und Fagott so perfekt und klangschön wie ihr Kollege auf der Flöte bei Weigl.

Aufnahmetechnisch ist nichts zu beanstanden. Das Booklet ist der wahre Luxus mit äußerst instruktivem Text, kompletten Übersetzungen und vielen Fotos von den Aufnahmesitzungen.

Fazit: Eine Aufnahme, die dem Laien einfach Freude bereitet und ihn Mozart im Kontext der Zeitgenossen erleben lässt, für alle Sänger Pflichtprogramm zur Verzierungstechnik der Hochklassik und hinsichtlich freier und entspannter, vollkommen unaufdringlicher, souveräner Virtuosität. Unbedingt empfohlen!

Thomas Baack [17.01.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
0
Vincente Martin y Soler
1Cessa, cessa mio core ... Teco porta, o mia speranza (2. Akt, Szene XIV, Diana - aus: L' Arbore di Diana) 00:06:34
Angelo Tarchi
3Ah! Se tu m'ami ... Ah! Sol bramo, o mia speranza (aus: Il conte di Saldagna) 00:07:51
Wolfgang Amadeus Mozart
5Giunse alfin il momento – Deh vieni non tardar (4. Akt, Rezitativ und Arie der Susanna - aus: Le nozze di Figaro KV 492) 00:07:21
7Rondo C-Dur KV 373 für Violine und Orchester 00:06:06
8E Susanna non vien... Dove sono i bei momenti (3. Akt: Arie der Gräfin - aus: Le nozze di Figaro KV 492) 00:06:07
Ferdinando Bertoni
10Mater cara, extremum vale (aus: Balthassar) 00:04:36
Giuseppe Giordani
11In quale istante ... Partirò dal caro bene (aus: Erifile) 00:07:16
Pasquale Anfossi
13Se mi lasci, o mia speranza (aus: Sedecias) 00:05:02
Joseph Weigl
14Ah che in van cerco pace ... Giusti numi amor pieroso 00:06:39
Wolfgang Amadeus Mozart
16Rondo B-Dur KV 269 für Violine und Orchester 00:07:21
17Ei parte… Per pietà, ben mio (2. Akt: Arie der Fiordiligi - aus: Così fan tutte KV 588) 00:08:52

Interpreten der Einspielung

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