Frühlingsrauschen - Spring - Printemps
Nareh Arghamanyan piano
hänssler CLASSIC HC25034
1 CD • 67min • 2025
04.01.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
Die 1989 in Armenien geborene Pianistin Nareh Arghamanyan hat zum Thema „Frühling“ eine Reihe von Klavierstücken auf dieser CD versammelt, Bekanntes wie Unbekanntes, Gehaltvolles wie eher Beiläufiges. Insgesamt ist es eine inspirierende Zusammenstellung, die den Hörer mit fast unbekannten Komponisten bekannt macht und ihn weiter forschen lässt. Wer kennt schon Paul Lindner oder Frédéric Meinders, einen recht produktiven holländischen Pianisten und Komponisten, Mel Bonis (eine französische Komponistin aus dem 19. Jahrhundert) und wer hat schon auf dem Schirm, dass der Geiger Josef Suk auch Klaviermusik komponiert hat? So kann man mit dieser Aufnahme auf vergnügliche Komponisten-Entdeckungsreise gehen bis zum abschließenden wohlbekannten titelgebenden Frühlingsrauschen von Christian Sinding.
Strahlend klares Spiel
Nareh Arghamanyan spielt auf einem Bösendorfer-Flügel, genauer gesagt einem Bösendorfer Concert Grand VC280, der unter ihrem Spiel ungemein farbenreich aufblüht und dessen sehr aufgehellter und höhenfrequenzreicher Klang von der Tonregie fast überfallartig direkt eingefangen ist: Man meint, mitten im Flügel zu sitzen. Das Spiel der Pianistin ist, auch wenn es sich um romantische Musik handelt, niemals süßlich verzuckert, sondern strahlend klar und farbschillernd, manchmal, wie in Frühlingsnacht von Schumann/Liszt (Track 1) liebesüberschwänglich. Nareh Arghamanyan spielt immer deutlich artikulierend und überzeugend deklamierend, dazu immer singend und immer „mit Zug“ – was dem unverwüstlichen Salonstück des Titels gut bekommt.
Der Bösendorfer singt und tanzt
Die fünf Frühlings-Stücke op. 57 von Moritz Moszkowski (Tracks 4-8) klingen feinnervig und sehnig und sind, obwohl es Salonmusik ist, mit großer Hingabe interpretiert. Im Schubert-Lied Frühlingssehnsucht in der Liszt-Bearbeitung (Track 9) lässt Arghamanyan die Melodie hörbar zwischen Diskant und Mittelstimme hin- und herwandern und bringt den Bösendorfer schön zum Singen, im Frühlingstraum von Schubert/Meinders (Track 10) zum schwingenden Tanzen, das mittendrin bedrohlich scharf kontrastiert wird. Unendlich traurig und eindringlich malt die Pianistin des Bachs Gewoge und das Blinken der Sterne im tränenreichen Wiegenlied zum Tode in Der Müller und der Bach von Schubert/Liszt (hier fälschlicherweise als S.565 no. 5 benannt, es ist aber no. 2). Ein wirklich lohnender Fund ist das Schubert-Lied Im Frühling D 882 in der Klavierbearbeitung durch Frédéric Meinders (Track 12) und wirklich „ein wahres Kleinod“ (so Nareh Arghamanyan im zweisprachigen Booklet) ist die kleine Frühlings-Reihe von Josef Suk (Tracks 15-18), weil es eine sehr lebendige, fantasievolle und farbenreiche Musik ist.
Rainer W. Janka [04.01.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Franz Liszt | ||
| 1 | Frühlingsnacht S 568 (Klaviertranskription des Liedes Überm Garten durch die Lüfte von Robert Schumann) | 00:02:50 |
| Edvard Grieg | ||
| 2 | An den Frühling op. 43 Nr. 6 | 00:03:03 |
| Mélanie Bonis | ||
| 3 | Gai Printemps op. 11 (Impromptu) | 00:01:52 |
| Moritz Moszkowski | ||
| 4 | Ungeduld op. 57 Nr. 1 | 00:01:22 |
| 5 | Frühlingsläuten op. 57 Nr. 2 | 00:03:41 |
| 6 | Blumenstück op. 57 Nr. 3 | 00:03:03 |
| 7 | Zephyr op. 57 Nr. 4 | 00:02:48 |
| 8 | Liebeswalzer op. 57 Nr. 5 | 00:05:52 |
| Franz Liszt | ||
| 9 | Frühlingsglaube S 558, 7 (aus Sieben Schubert-Lieder, Transkriptionen für Klavier) | 00:03:21 |
| Franz Schubert | ||
| 10 | Frühlingstraum op. 89 Nr. 11 D 911Nr. 11 (arr.: Frederic Meinders, Nareh Arghamanyan) | 00:02:46 |
| Franz Liszt | ||
| 11 | Der Müller und der Bach S 565 Nr. 5 (Schubert-Transkription) | 00:05:51 |
| Franz Schubert | ||
| 12 | Im Frühling op. 101 Nr. 1 D 882 (arr.: Frederic Meinders) | 00:03:01 |
| Leopold Godowsky | ||
| 13 | Frühlingsnacht op. 15 Nr. 2 | 00:06:52 |
| Paul Lindner | ||
| 14 | An den Frühling (Impromptu) | 00:01:10 |
| Josef Suk | ||
| 15 | Jaro (Frühling) op. 22a | 00:16:28 |
| Christian Sinding | ||
| 19 | Rustle of Spring op. 32 Nr. 3 | 00:02:40 |
Interpreten der Einspielung
- Nareh Arghamanyan (Klavier)
