Schubert • Hefti
String Quartets
Amaryllis Quartett
Prospero Classical PROSP0151
1 CD • 57min • 2024
24.10.2026
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Klassik Heute
Empfehlung
Das Amaryllis Quartett bleibt seinem Grundsatz treu, einem oder zwei „Klassikern“ ein zeitgenössisches Werk gegenüberzustellen. Dies ist auf der aktuellen CD deshalb besonders sinnvoll, weil der Schweizer Komponist David Philip Hefti, sein To the End of Time für eine Ballettproduktion in Graz als direktes Pendant zu Franz Schuberts Quartett Nr. 14 in d-Moll DV 810 komponierte, das die Einleitung des Liedes Der Tod und das Mädchen im langsamen Satz variiert.
Anrührendes Ende der Zeit
David Philip Heftis To the End of Time gemahnt in seiner Anlage mehr an Richard Strauss’ Tod und Verklärung, denn an Olivier Messiaens Quatuor pour la fin de temps. Es nimmt das leere D Schuberts auf, spaltet es jedoch rhythmisch wesentlich ruppiger. Doch dieser Duktus – quasi ein letztes Aufbäumen, Nicht-wahr-haben wollen – wird immer mehr von lyrischen Elementen durchzogen. Es scheint, als ob einem Sterbenden noch einmal geliebte Menschen und beseligende Erinnerungen durch den Dämmer dringen. Deshalb wirke die hier vereinzelten avantgardistischen Effekte absolut überzeugend.
Technisch, hinsichtlich der Stricharten und intonatorisch ist das Werk höchst anspruchsvoll, da seine Klänge kein l’art pour l’art sind, sondern sie in Gesten einer Geschichte umgesetzt werden müssen. Zudem ist es nicht einfach, in diesem knapp zwanzigminütigen Satz, die Spannung zu halten.
Schuberts düsterstes Quartett
Schubert hatte schon früh eine leicht morbide Ader. Davon zeugen Lieder wie Der Vatermörder, Eine Leichenphantasie, Totengräberlied und natürlich Der Tod und das Mädchen. Auch der Held der Schönen Müllerin, die zur selben Zeit wie das Quartett entstand, findet ja seine endgültige Heimat im „lieben Bach“. Ebenso ist die Wahl der Tonart des Requiems von Mozart und der Schicksalstonart in dessen Don Giovanni bezeichnend. Ungewöhnlich auch der mit Sätzen ausschließlich d-Moll und g-Moll sehr enge tonartliche Rahmen, der allerdings nichts darüber aussagt, was innerhalb der Sätze geschieht.
Auf eigene Gefahr
Das Amaryllis-Quartett präsentiert sich hier in absoluter Vollendung. Nuancenreicher und überlegter kann man den Schubert nicht spielen. Das ist absolut zwingend und entfaltet einen unglaublichen Sog. Das mag auch an der Fähigkeit des Quartetts liegen, Abschnitts- oder Motivwiederholungen farblich jeweils ein wenig anders zu gestalten. Auch wird aus Begleitmotiven oft dezent ein Extra abgeleitet. Den Vogelgesang im Variationen-Satz habe ich bisher noch nicht wahrgenommen.
Wie in dem Hefti nach gewollt ruppigen Beginn auf einmal Lyrik aufblüht und wieder verlischt, ist gestalterisch ungemein beeindruckend. Nur wenige Quartette dürften in der Lage sein, diese gut achtzehn Minuten als Einheit darzubieten.
Warnen muss ich vor dieser Einspielung, die durchaus süchtig machen kann, weil sie bei äußerst sensiblen Gemütern den alljährlichen Herbstblues erheblich verstärken kann. Also gilt es, diese Perfektion nur in vernünftigen Dosen zu genießen.
Die Klangtechnik fängt das meisterliche Spiel der Vier mit weiter Dynamik und optimaler Räumlichkeit perfekt ein. Das Booklet ist vor allem für den Hefti wichtig.
Fazit: Meine neue DV-810-Referenz. Da ich mit Bartók und Schostakowitsch sehr gut zurechtkomme, schockierte mich auch der interessante Hefti keineswegs. Mehr als eindeutige Empfehlung.
Thomas Baack [24.10.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| David Philip Hefti | ||
| 1 | Streichquartett Nr. 7 (Ans Ende der Zeit) | 00:19:00 |
| Franz Schubert | ||
| 2 | Streichquartett Nr. 14 d-Moll D 810 (Der Tod und das Mädchen) | 00:37:26 |
Interpreten der Einspielung
- Amaryllis Quartett (Streichquartett)
