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Besprechung CDSonates Oubliées

Sonates Oubliées

Charles de La Ferté • Ensemble La Ferté

Paraty 2025010

1 CD • 75min • 2024

14.08.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das dreiköpfige Ensemble La Ferté widmet sich der französischen Barockmusik im Umfeld des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. Paulo Castrillo spielt die Barockgeige, den Generalbass übernehmen Manon Chapelle an der Viola da Gamba und Nicolas Mackowiak am Cembalo.

Die drei französischen Musiker leben in Annemasse, nahe der Schweizer Grenze. 2022 taten sie sich zusammen, um den Barockkomponisten Charles-François Grégoire de La Ferté (1666–1746) und dessen „vergessene Sonaten“, so der Albumtitel, dem heutigen Publikum zugänglich zu machen. La Ferté, der als Pionier der französischen Violinsonate gilt, war als Geiger im Pariser Opernorchester und bei Hofe in Versailles tätig. Aus seiner Feder ist nichts weiter erhalten als das „Premier Livre de Sonates“. Diese zwölf Violinsonaten, die 1707 im Druck erschien, haben Castrillo, Chapelle und Mackowiak für ihr Debütalbum ausgewählt.

Drei Jahre Vorbereitung

Die Sonaten verstaubten lange Zeit in den Archiven. Die drei Musiker fanden sie im Nachlassinventar einer Cembalistin, in deren Musikbibliothek 1711 der Eingang eines Exemplars verzeichnet worden war. Die Musiker spürten die historischen Partituren auf und beschäftigten sich drei Jahre lang damit, sie zu entziffern und zu transkribieren. Sie ergänzten den Generalbass, von dem nur die Bassstimme vorlag, und bereicherten die Textur, indem sie für die Viola da Gamba neue Stimmen hinzufügten.

La Ferté, der auch im Dienst des musikbegeisterten Herzogs von Orléans stand, komponierte seine Sonaten als Experiment: Er verband den eleganten französischen Stil im Geiste des Hofkomponisten Jean-Baptiste Lully mit der damals neuartigen, feurigen italienischen Virtuosität. Inspiration dafür war Arcangelo Corelli, dessen Sonaten um 1700 in Paris eine riesige Begeisterung auslösten.

Die Interpretationen des Ensemble La Ferté bringen diese stilistische Verschmelzung wunderbar auf den Punkt. Tänzerische Freude und kontrapunktische Raffinesse gehen Hand in Hand. Die Musik schimmert voller Anmut und Melodienreichtum.

Französischer Charme und italienisches Feuer

Um den ganz eigenen Charakter jeder Tonart hervorzuheben und harmonische Kontraste zu schärfen, wurde das Cembalo nach dem historischen „Tempérament Ordinaire“ gestimmt, bei dem einige Quinten „unsauber“ erklingen. Die Basstimme wird zuweilen richtig virtuos und tritt in einen Dialog mit der Geige. In zwei Sonaten ersetzt Nicolas Mackowiak das Cembalo durch eine kleine Truhenorgel, was der Musik eine sakrale Anmutung und besondere harmonische Tiefe verleiht.

Paulo Castrillo praktiziert die historische Spielhaltung: Er lehnt seine Barockgeige gegen die Brust. Das Instrument kann frei schwingen, was zu einem weicheren, luftigen Klang führt.

Die interessante Ausgrabung füllt eine musikgeschichtliche Lücke, zeugt doch La Fertés Musik von der Entstehung der eigenständigen französischen Violinsonate. Die dreijährige Arbeit des Ensemble La Ferté hat sich vollauf gelohnt. Die „vergessenen Sonaten“ erstrahlen nun im historischen Originalklang. Das Trio musiziert mit ansteckender Spielfreude; jeder Takt atmet den Charme und die tänzerische Eleganz des Versailler Hofes – ein berührendes Hörvergnügen.

Antje Rößler [14.08.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Charles-François Grégoire de la Ferté
1Sonate Nr. 11 00:05:51
4Sonate Nr. 10 00:07:00
7Sonate Nr. 2 00:05:48
8Sonate Nr. 5 00:05:41
10Sonate Nr. 7 00:05:48
13Sonate Nr. 6 00:09:19
16Sonate Nr. 8 00:06:38
19Sonate Nr. 3 00:04:30
21Sonate Nr. 9 00:06:14
24Sonate Nr. 4 00:04:26
26Sonate Nr. 1 00:07:45
29Sonate Nr. 12 00:05:51

Interpreten der Einspielung

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