Otto Nicolai
Complete Works for Piano
Christof Keymer Piano
cpo 555 780-2
2 CD • 2h 01min • 2024
14.09.2026
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Gesamteindruck:![]()
Otto Nicolai (1810-1849) gehört zu den One-Hit-Wonder-Komponisten der Klassik wie Max Bruch (Violinkonzert), Tomaso Albinoni (g-Moll-Adagio), Paul Dukas (Zauberlehrling) oder Joaquin Rodrogo (Concierto di Aranjuez). Nicolai kennt man als Komponist der Oper Die Lustigen Weiber von Windsor, vielleicht noch als Schöpfer einer Messe, mehr noch als Begründer der Wiener Philharmoniker, am wenigsten als Klavierkomponist. Einem Vollständigkeitsstreben folgend hat das verdienstvolle Label cpo hier auf einer Doppel-CD sämtliche Werke für Klavier versammelt. Wirklich sämtliche: Von zwei Sonaten über Liszt-nahe Trios Etudes bis zu einem düsteren Gran Marcia funèbre anlässlich des Todes von Vincenco Bellini oder bis zu der glänzenden Fantaisie et variations brillantes über Opern-Motive von Bellini. Sogar ein Werk-Schnipsel wie ein 29-sekündiges Albumblatt fehlt nicht – und darüber hinaus noch zwei Bearbeitungen anderer Komponisten von Melodien aus den Lustigen Weibern von Windsor. Der Pianist Christof Keymer ist der rührige Sammler, Interpret und Erklärer dieser Klaviermusik.
Geistreiche und vitale Klaviermusik
Der Wiener Musikkritiker Eduard Hanslick hat, wie Christoph Keymer im ausführlichen Booklet mitteilt, Nicolais Charakter beschrieben – und damit auch ein wenig seine Musik: „Nicolai war eine echte Künstlernatur, geistreich, enthusiastisch, ehrgeizig, allerdings auch eitel und launenhaft.“ Geistreich und enthusiastisch ist in der Tat seine Klaviermusik, dazu vital, lebendig, voller verschiedener Stimmungen und immer auf Wirkung bedacht, dabei von einer gewissen Leichtigkeit geprägt, einer „Italianità“ im Sinne von Bellini, den Nicolai seit seinem Italienaufenthalt 1834-1836 sehr schätzte. Nicolai hatte damals in Rom die Stelle des Organisten an der Preußischen Gesandtschaftskapelle inne und lernte da die Belcanto-Seligkeit kennen. So glänzen am meisten die Fantaisie et variations brillantes op. 25, in denen die Casta-Diva-Arie bearbeitet wird und in denen geistreiche und virtuose Variationen, zu denen auch eine sentimentalische Moll-version zählt, die Nähe zu Liszt aufscheinen lassen. Liszt-nahe sind auch die Trois Eudes op. 40, hochromantische Charakterstücke: In der ersten, betitelt „Duo de l’opera ‚Le Retour du Proscrit‘, transcit pour Piano en forme d’etude“, dominiert lange die Linke und überrascht am Ende mit einer Triller-Orgie, die zweite, betitelt als „Romance“, ist geprägt von einer schlichten Melodie mit vielen Tonrepetitionen, die eine träumerische Stimmung erzeugen, die dritte, das Andante grazioso, ist besonders Liszt-ähnlich. Durchaus anspruchsvoll ist die Piano Sonata in D-Moll op. 27 mit ihrem dramatisch erregten Hauptthema voller Tonrepetitionen (ein Lieblingsmotiv von Nicolai? Wie auch im Rondo capriccioso in F-Dur op. posth., das ein wenig Beethovens „Wut über den verlorenen Groschen“ ähnelt), seinem kapriziösen Kreiseln sowohl im Scherzo als auch im Finale und dem melodieseligen Trauergesang des Adagios con molto serietà – das Keymer ruhig noch langsamer und damit ausdrucksstärker hätte spielen können. Dafür hätte ein schnelleres Tempo dem Capriccio in D-Dur mehr Wirkung verliehen.
Emphatischer Nachdruck und blühender Lyrismus
Sonst aber widmet sich Christoph Keymer dieser Rand-Klaviermusik mit nimmermüder Energie und spürbarer Liebe, mit emphatischem Nachdruck und blühendem Lyrismus. Er erzählt beredt, wo es was zum Erzählen gibt, singt auf dem Klavier, wo’s melodiös wird, und glänzt virtuos, wo’s Liszt-ähnlich wird.
Die Tonregie produziert einen sehr nahen, geradezu zum Zuhören auffordernden Klang, dabei sehr bassbetont, die tiefen Klaviertöne drängen sich etwas vor, in der ersten der drei Etüden ganz logisch, weil da die Linke dominiert, alles ist aber sonst gut klanggestaffelt und natürlich klingend.
Rainer W. Janka [14.09.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Otto Nicolai | ||
| 1 | Trios Etudes op. 40 | 00:15:00 |
| 4 | Rondo capriccioso F-Dur op. posth. | 00:05:56 |
| 5 | Mondwalzer | 00:11:24 |
| 6 | Cavatine Ah quel guardo (aus der Oper Il Templario) | 00:06:07 |
| 7 | Albumblatt F-Dur | 00:00:29 |
| 8 | Gran Marcia funèbre (onde onorare la memoria del celebre Maestro Vincenzo Bellini) | 00:09:03 |
| Alfred Jaëll | ||
| 9 | Die lustigen Weiber von Windsor op. 137 (Caprice) | 00:06:44 |
| CD/SACD 2 | ||
| Otto Nicolai | ||
| 1 | Fantaisie et Variations brillantes op. 25 (sur des motifs de l'opera La Norma de Bellini) | 00:20:49 |
| 2 | Klaviersonate d-Moll op. 27 | 00:23:13 |
| 6 | Klaviersonate Es-Dur | 00:11:20 |
| 8 | Capriccioso D-Dur | 00:00:50 |
| 9 | Bühnenmusik für Klavier | 00:07:24 |
| Alessandro Longo | ||
| 10 | Melodia di Otto Nicolai dall'opera Le Vispe Comari di Windwor | 00:02:33 |
Interpreten der Einspielung
- Christof Keymer (Klavier)
