Love &Devotion
German Baroque Motets from Leipzig
Rheinische Kantorei • Edzard Burchards
cpo 555 811-2
1 CD • 57min • 2025
07.09.2026
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Gesamteindruck:![]()
„Liebe und Hingabe“: So ist der englische Titel „Love & Devotion“ dieses Programms mit in Leipzig komponierten deutschen Motetten des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts wohl am besten ins Deutsche zu übersetzen. Die in diesem Programm versammelten geistliche Musik zeigt, dass Leipzig auch vor dem Dienstantritt J. S. Bachs als Thomaskantor im Jahr 1723 eine bedeutende Stätte lutherischer Kirchenmusik gewesen ist.
Motette – eine altehrwürdige Form
Seit dem Hochmittelalter gehört die „Motette“ zum unverbrüchlichen Kernrepertoire der geistlichen Musik: Ihr Name wird im frühen 14. Jahrhundert vom lateinischen „motus = Bewegung“ abgeleitet, im späten 18. Jahrhundert wird der Bezug zum französischen „mot = Wort“ hergestellt, der das musikwissenschaftliche Verständnis dieser Gattung seither wesentlich prägt.
Monumentaler Beginn
Den Anfang des Programms macht das längste Stück dieser CD „Jauchzet Gott, alle Welt“, für das J. S. Bach und G. Ph. Telemann als Komponisten angegeben werden; in wieweit Bach selbst Musik seines von ihm hoch geschätzten Hamburger Kollegen verwendete oder ob möglicherweise sein Nachfolger Gottlob Harrer (1703-1755) das Pasticcio anfertigte, ist unklar. Nach diesem großartigen Beginn entfaltet Edzard Burchards mit seinen Musikern ein Panoptikum der Motette vom 17. bis ins 19. Jahrhundert an der Leipziger Thomaskirche: Der Horizont der Komponisten reicht von Tobias Michael (1592-1657) über Sebastian Knüpfer (1633-1676), Werner Fabricius (1633-1679) und Johann Schelle (1648-1701) bis zu Johann Ludwig Krebs (1713-1780) und Johann Adam Hiller (1728-1804). Hier erklingen also respektable drei Jahrhunderte Musikgeschichte an der Leipziger Thomaskirche – von der Reformationszeit bis ins 19. Jahrhundert, in dem das Christentum als bestimmender Faktor des europäischen Geisteslebens an Einfluss einbüßte.
Renommiertes Ensemble unter neuer Leitung
Die Rheinische Kantorei, 1977 von Hermann Max als „Jugendkantorei Dormagen“ gegründet, musiziert seit 1985 unter ihrem heutigen Namen und ist unter ihrem Gründer zu einem international berühmten Ensemble herangewachsen. 2024 hat Max im Alter von über achtzig Jahren die Leitung der Rheinischen Kantorei an Edzard Burchards übergeben, den mit dem Ensemble bereits eine lange Geschichte verbunden hat: So kommen hier vertraute Elemente zusammen. Der Chor ist mit sechs Sopranen, vier Altistinnen, vier Tenören und sechs Bässen passend klein besetzt und liefert einen ausgesprochenen homogenen Ensembleklang ab.
Studium der musikalischen Affekte
Schwer zu sagen: Liegt es an den Kompositionen oder an ihrer Aufführung, dass der Funke – jedenfalls beim Rezensenten und trotz des vorzüglichen gesanglichen Vortrags – für eine höchste Bewertung nicht überspringen will? Der Zusammenhang von Text und Musik ist in der Musik dieser Zeit häufig den Ensembles und den Nuancen ihrer Interpretation überlassen: Hier ist ein genaues Studium der musikalischen Affekte der Epoche von grundlegender Wichtigkeit und sollte nicht von einem ruhigen musikalischen Fluss der Partitur in den Hintergrund gedrängt werden.
Detmar Huchting [07.09.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Johann Sebastian Bach | ||
| 1 | Jauchzet dem Herrn, alle Welt BWV Anh. 160 (Motette) | 00:11:28 |
| Sebastian Knüpfer | ||
| 2 | Mein Gott, betrübt ist meine Seele (à 6) | 00:03:54 |
| Johann Schelle | ||
| 3 | Komm, Jesu, komm (à 5) | 00:03:41 |
| Sebastian Knüpfer | ||
| 4 | Erforsche mich, Gott (à 8) | 00:04:13 |
| Werner Fabricius | ||
| 5 | Vater, in deine Hände (à 4) | 00:05:09 |
| Tobias Michael | ||
| 6 | In Angst und Not (à 5) | 00:04:48 |
| Johann Schelle | ||
| 7 | Jesus Christus ist des Gesetztes Ende (à 8) | 00:04:49 |
| Johann Friedrich Doles | ||
| 8 | Herr, wer bin ich (à 4) | 00:07:56 |
| Johann Ludwig Krebs | ||
| 9 | Erforsche mich, Gott (à 5) | 00:05:10 |
| Johann Adam Hiller | ||
| 10 | Alles Fleisch ist wie Gras (à 4) | 00:05:37 |
Interpreten der Einspielung
- Frauke Hess (Violone)
- Johannes Liedbergius (Orgelpositiv)
- Rheinische Kantorei (Chor)
- Edzard Burchards (Dirigent)

