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Besprechung CDFolklore

Folklore

Falla • N. Boulanger •Tsintsadze • Schumann • Bartók • Fauré Sarasate
Christoph Croisé cello • Ana Bakradze piano

Avie AV2837

1 CD • 74min • 2024

04.08.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der schweizerisch-französische Cellist Christoph Croisé und die georgische Pianistin Ana Bakradze nehmen den Zuhörer mit auf eine musikalische Reise: von französischer Eleganz über slawische Melancholie bis zum spanischen Temperament. Den roten Faden zwischen unterschiedlichen Stilen und Epochen offenbart der Albumtitel „Folklore“ – durch alle Kompositionen weht der Geist der Volksmusik. Die Bandbreite reicht von Robert Schumann über Gabriel Fauré bis zu Béla Bartók. Sieben verschiedene Komponisten erklingen insgesamt. Einige von ihnen nutzten echte Volksmelodien; andere ahmen die charakteristischen Klänge und Rhythmen nach. Stücke, die für Cello und Klavier geschrieben wurden, stehen neben Transkriptionen.

Csárdás, Flamenco, Wiegenlieder

Auf spanische Volkslieder geht Manuel de Fallas Suite populaire espagnole zurück. Im Wiegenlied Nana meistern Croisé und Bakradze die zarte Balance im Pianissimo-Bereich; Cello und Klavier verschmelzen zu einer einzigen Stimme. Hingegen erweist sich der Tanz Polo als feuriger, nahezu perkussiver Ausbruch. Der Cellist legt hier eine spontan anmutende Wildheit an den Tag, um den Flamenco-Charakter zu treffen.

In Béla Bartóks Rumänischen Volkstänzen, ursprünglich für Solo-Klavier komponiert, verzahnen sich die beiden Musiker in komplexen Rhythmen. Der ungarische Csárdás wiederum hat in die Zigeunerweisen Einzug gehalten, die der Geigenvirtuose Pablo de Sarasate für die eigenen gelenkigen Finger schrieb. Trotz der dickeren Saiten und längeren Griffwege des Cellos meistert Christoph Croisé die rasanten Läufe und Sprünge mit Spielfreude und federnder Brillanz.

Pariser Salonkultur und kaukasische Melancholie

Sulkhan Tsintsadzes Stücke über georgische Volksthemen hat die Pianistin Ana Bakradze aus ihrer kaukasischen Heimat mitgebracht; darunter das sanfte Wiegenlied Nana, das sie einst von ihrer Mutter hörte. Ihr Zusammenspiel mit dem Cellisten ist hier besonders feinfühlig.

Es folgen die Fünf Stücke im Volkston, mit denen Schumann eine imaginäre Folklore im Geiste der deutschen Romantik erfand. Er vereint hier das schlichte deutsche Volkslied, derben Bänkelsang und slawische Rhythmen. Christoph Croisé fasziniert mit erzählerischer Tiefe, während Ana Bakradze die folkloristischen Klangfarben feinsinnig am Klavier malt.

Um es ganz genau zu nehmen: Nicht alle dargebotenen Werke haben einen folkloristischen Bezug. Nadia Boulangers Trois pièces sowie Faurés beliebte Miniatur Après un rêve und sogar, trotz ihres Titels, dessen vornehme Sicilienne sind typisch französische Charakterstücke.

In diesen verträumten Klängen entfalten Croisé und Bakradze eine fein nuancierte, französische Eleganz – ein weiteres Beispiel für die Fähigkeit der beiden, die Musik mit Frische, Lebendigkeit und natürlicher Spontaneität zu erfüllen. Bei jedem Stil treffen sie den richtigen Tonfall. Die Klangqualität des Albums profitiert vom warmen, klaren Nachhall der akustisch hervorragenden Barockkirche im schweizerischen Boswil.

Antje Rößler [04.08.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Manuel de Falla
1Suite populaire espagnole 00:13:51
Béla Bartók
7Sechs Rumänische Volkstänze Sz 56 für Klavier 00:05:39
Sulkhan Tsintsadze
13Urmuli (aus: Five Pieces on Georgian Folk Themes) 00:05:25
14Chonguri (aus: Five Pieces on Georgian Folk Themes) 00:01:13
15Sachidao (aus: Five Pieces on Georgian Folk Themes) 00:02:24
16Nana (aus: Five Pieces on Georgian Folk Themes) 00:03:28
17Tsekva (aus: Five Pieces on Georgian Folk Themes) 00:02:05
Nadia Boulanger
18Trois Pièces für Violoncello und Klavier 00:07:09
Robert Schumann
21Vanitas vanitatum op. 102 Nr. 1 (Mit Humor - aus: Fünf Stücke im Volkston op. 102) 00:03:18
22Langsam op. 102 Nr. 2 (aus: Fünf Stücke im Volkston op. 102) 00:03:26
23Nicht schnell, mit viel Ton zu spielen op. 102 Nr. 3 (aus: Fünf Stücke im Volkston op. 102) 00:04:32
24Nicht zu rasch op. 102 Nr. 4 (aus: Fünf Stücke im Volkston op. 102) 00:02:17
25Stark und markiert op. 102 Nr. 5 (aus: Fünf Stücke im Volkston op. 102) 00:03:00
Pablo Sarasate
26Zigeunerweisen op. 20 00:08:19
Gabriel Fauré
27Après un rêve op. 7 Nr. 1 für Violoncello und Klavier 00:03:29
28Sicilienne g-Moll op. 78 für Violoncello und Klavier 00:03:59

Interpreten der Einspielung

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