Franz Ignaz Beck
Complete Symphonies op. 3 & 4
La Stagione Frankfurt • Michael Schneider
cpo 555 809-2
4 CD • 3h 51min • 2003, 1995, 2005, 2025
06.07.2026
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Gesamteindruck:![]()
Wollte man eine Boulevard-Schlagzeile formulieren, hieße es wohl „Endlich! Beck-Sinfonien nach 30 Jahren komplett!“. Schließlich entstand die erste der vier jetzt in einer handlichen Box zusammengefassten CDs mit den Sinfonien opp. 3 § 4 von Franz Ignaz Beck (1739-1809) bereits im Jahre 1995, die vierte nach einer 20-jährigen Pause jedoch erst 2025. Wer die „Sturm und Drang“-Sinfonien Joseph Haydns schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten. Temperamentvolle, farbige Musik, die in den Jahren 1762 und 1766 in Paris gedruckt wurde, sodass Haydn sie durchaus kennen konnte.
Ein Pfälzer bleibt dem Wein treu, oder von Mannheim nach Bordeaux
Franz Ignaz Beck war der Sohn des Mannheimer Hofoboisten Aloys Beck, der ihn in den musikalischen Anfangsgründen unterwies. Im Alter von 10 Jahren wurde er Vollwaise, jedoch nahmen sich die Kollegen des Vaters des begabten Knaben an. Johann Stamitz unterrichtete ihn auf der Geige, die er virtuos beherrschte. Zwischenzeitlich als Kapellknabe in Heidelberg nachweisbar, wurde er als Heranwachsender in ein Duell verwickelt, das ihn – um einer Strafe zu entgehen – veranlasste, nach Italien zu entfliehen. Dort setzte er seine Ausbildung mit Schwerpunkt in der Opernkomposition in Venedig bei Baldassare Galuppi und in Neapel fort. Schließlich gelangte er über Marseille und Paris nach Bordeaux, wo er das Opernorchester leitete und im Jahre 1779 – im selben Jahr wie Haydn für Esterháza – Metastasios Libretto von L’isola disabitata vertonte.
Ist das noch „Vorklassik“?
Die 12 Kompositionen aus Becks Opera 3 und 4 erfüllen eigentlich bereits alle Kriterien, die die Musiktheorie für klassische Sinfonie fordert. 4 Sätze: Schnell und zweiteilig allerdings mit noch etwas unterentwickelter Durchführung, Langsam, Menuett, Finale. Die subtile Behandlung der Bläserfarben erinnert – besonders in den langsamen Sätzen – eher an Wiener Kompositionen der 1780er Jahre. Dramatische Crescendi und eine große dynamische Bandbreite sorgen für Spannung. Besondere Beachtung verdienen die beiden Moll-Werke op. 3,3 & 5 (CD 2 Tr. 1-8), die sich durchaus mit Haydns Hob. I:34, 44, 49 und Mozarts „kleiner“ g-Moll-Sinfonie KV 183 messen können. Wegen der eleganten Bläserbehandlung spiele man die beiden Mittelsätze aus op. 4,5 (CD 4 Tr, 3 & 4) an.
Schwungvolle Interpretation
Michael Schneider und La Stagione Frankfurt haben offensichtlich Spaß an diesen spannenden und brillanten Sinfonien. Streicher und Holzbläser musizieren Dramatisches zupackend und Lyrisches fein ziseliert. Leider nehmen sich die beiden Hörner zu wichtig und überdecken mit Füllstimmen gelegentlich Wichtigeres in den Streichern, die in den Pariser Orchestern womöglich stärker besetzt waren. Sehr schön, dass auch noch das Bild abrundende Auszüge aus den Bühnenwerken Platz fanden.
Der Booklet-Text des Dirigenten ist exzellent. Die eine weite Dynamik abbildende Tontechnik geht in Ordnung. Allerdings wurden – außer auf CD 2 – die Hörner zu direkt eingefangen.
Fazit: Wer die bereits ab 1995 veröffentlichten CDs noch nicht in seiner Sammlung hat und Haydns Sinfonien der mittleren „Sturm und Drang“-Periode schätzt, sollte hier ohne zu zögern zugreifen. Ebenso, wer originelle Musik mit Spaßfaktor schätzt.
Da meine Klassik-heute-Kollegen die frühen CDs schon anlässlich ihres Erscheinens besprochen haben, seien deren Artikel hier der Einfachheit halber verlinkt:
https://www.klassik-heute.com/4daction/www_medien_einzeln/15480
https://www.klassik-heute.com/4daction/www_medien_einzeln/17512
Thomas Baack [06.07.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Franz Ignaz Beck | ||
| 1 | Sinfonie D-Dur op. 3 Nr. 6 | 00:14:06 |
| 4 | Sinfonie B-Dur op. 3 Nr. 2 | 00:15:48 |
| 8 | Sinfonie F-Dur op. 3 Nr. 1 | 00:16:27 |
| 12 | La mort d'Orphée (Ouverture) | 00:06:09 |
| CD/SACD 2 | ||
| 1 | Sinfonie g-Moll op. 3 Nr. 3 | 00:17:58 |
| 5 | Sinfonie d-Moll op. 3 Nr. 5 | 00:17:57 |
| 9 | Sinfonie Es-Dur op. 3 Nr. 4 | 00:18:05 |
| CD/SACD 3 | ||
| 1 | Sinfonie D-Dur op. 4 Nr. 1 | 00:19:22 |
| 5 | Sinfonie B-Dur op. 4 Nr. 2 | 00:22:22 |
| 9 | Sinfonie F-Dur op. 4 Nr. 3 | 00:18:36 |
| 13 | L' isle déserte (Ouverture) | 00:05:27 |
| CD/SACD 4 | ||
| 1 | Sinfonie D-Dur op. 4 Nr. 4 | 00:13:21 |
| 4 | Sinfonie G-Dur op. 4 Nr. 5 | 00:17:47 |
| 8 | Sinfonie Es-Dur op. 4 Nr. 6 | 00:17:09 |
| 12 | Pandore (Melodramma; Ouverture, Nr. 7, Nr. 15, Nr. 16) | 00:10:48 |
Interpreten der Einspielung
- La Stagione Frankfurt (Orchester)
- Michael Schneider (Dirigent)
