Jean-Philippe Rameau
Zoroastre • Les Indes galantes (Suites)
L'Orfeo Barockorchester • Michi Gaigg
cpo 555 518-2
1 CD • 60min • 2022
11.05.2026
Künstlerische Qualität:![]()
Klangqualität:![]()
Gesamteindruck:![]()
Jean-Philippe Rameau (1683-1764) war einer der bedeutentsten Meister der Barockmusik: Am 25. September 1683 wurde er als Angehöriger einer einflussreichen Familie in Dijon getauft, gelangte als junger Mann nach Paris und wurde noch in seinen 20er Jahren in der Nachfolge von Louis Marchand einer der bedeudendsten Organisten in der Hauptstadt. Auch als Komponist konnte er bald in der französischen Musik seiner Zeit eine erstrangige Stellung einnehmen.
Der barocke Opernquerschnitt
Zu Zeiten der Langspielplatten waren „Opernquerschnitte“ populär: Sie versammelten beliebte Höhepunkte aus berühmten Opern auf einer Platte und boten so einem breiten Publikum die Gelegenheit, Erlebnisse im Opernhaus in ihrem eigenen Heim mit dem Plattenspieler nachzuvollziehen. Genau dasselbe Desiderat erfüllten Opernsuiten im 18. Jahrhundert – musikbegeisterte Amateure konnten im privaten Rahmen berühmte Kompositionen für das Musiktheater als instrumentale Arrangements erklingen lassen. Auf dieser CD sind zwei dieser barocken „Opernquerschnitte“ vereint, die seit einiger Zeit heutigen Liebhabern historisch informierter Interpretationen auch im Repertoire anderer Barockorchester bekannt geworden sind.
Für diese Rezension wurde als Vergleichsaufnahme eine 1997 eingespielte CD mit Ouvertüren zu Opern Jean-Philippe Rameaus herangezogen, die Christophe Rousset mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques eingespielt hat und die seit langem zu meinen Favoriten unter den Aufnahmen der Musik dieses Komponisten zählt, dessen Musik mir seit langem besonders teuer ist.
Zupackender Ausdruck
Als erstes fällt in dieser Einspielung unter der Leitung der auch als Geigerin profilierten Michi Gaigg ein forscher Gestus auf, wie er heutzutage verbreitet ist und meines Erachtens ein musikalisches Zugeständnis der mittlerweile nicht mehr der jungen Interpretengeneration zuzurechenden 68-jährigen Künstlerin an diejenigen ihre jüngeren Kolleginnen und Kollegen ist, die sich kraftvolles Agieren auf die Fahnen geschrieben haben: Da hört man gelegentlich einen derb zupackenden Tonfall, der – wie mir scheint – nicht zum eleganten Flair der Musik des französischen Meisters passen will.
Wo bleibt Rameaus Charme?
So bleibt der Charme, der Rameaus Musik meines Erachtens so essentiell eigen ist, in dieser auf Perfektion ausgerichteten Interpretation leider auf der Strecke. Wobei Perfektion alles andere als ein Tadel ist – sie sollte halt im besten Fall mit einer musikalischen Haltung einhergehen, die den intimen Inhalten der aufzuführenden Musik nicht im Wege steht. Das allerdings ist hier leider zu beobachten.
Detmar Huchting [11.05.2026]
Anzeige
Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Jean-Philippe Rameau | ||
| 1 | Zoroastre (Suite) | 00:41:02 |
| 21 | Les Indes galantes (Suite) | 00:18:26 |
Interpreten der Einspielung
- L' Orfeo Barockorchester (Orchester)
- Michi Gaigg (Dirigentin)
