Bach
51°20'21.5'' N 12°22'21.3'' E
Organ Landscapes
Leipzig • Regensburg
Jörg Halubek
Berlin Classics 0303620BC
2 CD • 2h 15min • 2024, 2025
21.04.2026
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Gesamteindruck:![]()
Klassik Heute
Empfehlung
Der Stuttgarter Orgelprofessor Jörg Halubek hat mit seiner Gesamtaufnahme des Orgelwerkes von Johann Sebastan Bach ein bedenkenswertes Schlaglicht auf dieses Werkkorpus geworfen. Seine Perspektive ist die geographische, die durch die Entstehung von regelrechten Orgellandschaften definiert ist. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Entstehung von Orgeln und der darauf gespielten Musik sowie die Art der Interpretation gegenseitig bedingen. Das hat Halubek mit seiner Einspielung zu ergründen versucht, den unzweifelhaften Qualitäten selbiger nach zu urteilen auch sehr erfolgreich. Mit der finalen Folge hat er nun seine Perspektive zu einem interessante Abschluss gebracht, denn im Zentrum stehen Orgelwerke Bachs in Bearbeitungen, die Halubek an den dazu passenden Orgeln eingespielt hat: die romantischen an der historischen Sauer-Orgel der Leipziger Thomaskirche, seine eigene der Goldberg-Variationen an der Bachorgel der Regensburger Dreieinigkeitskirche. Dabei handelt es sich um einen Neubau nach thüringisch-mitteldeutschem Vorbild, der natürlich nicht direkt etwas mit Bach zu tun hat, wohl aber mit der ihn prägenden Orgellandschaft.
Historisch informierte Dramaturgie
Insofern ist diese Schluss-CD eine Zusammenfassung aller Anliegen, die Halubek damit verfolgt hat – und gleichzeitig ein Weiterführen: Zum einen in die Bach-Rezeption der Romantik, zum anderen in die historisierende Interpretation der Moderne. Das Anliegen ist vollumfänglich geglückt, denn wie Bach hier auf den jeweiligen Instrumenten klingt, ist in jeglicher Hinsicht ebenso typisch wie überzeugend. Den romantischen Orgeltypus etwa nutzt Halubek ganz im Sinne des damaligen Interpretationsansatzes. So klingt das A-Dur Präludium (BWV 536) wie ätherisches Harfenspiel, mit Wilhelm Middelschultes Bearbeitung der Chaconne wird die ganze Bandbreite des Sauerschen Orgeltyps optimal vorgeführt und zwei Bearbeitungen von Sigfrid Karg-Elert genießen sogar Seltenheitswert. Hier bekommt die Musik eine ganz andere Dramaturgie, die aber nicht minder überzeugend wirkt, als wenn man sie historisch korrekt auf den dafür geeigneten Orgel ausführen würde. Das macht Halubek dann mit den Goldberg-Variationen auf einer zwar hypothethischen aber doch historisch-informiert gebauten Orgel. Auch dieses Ergebnis ist rundum beglückend, da ebenso phantasie- wie farbenreich registriert und spielt. Einen passenderen Abschluss dieser verdienstvollen Gesamteinspielung hätte man sich kaum denken können.
Guido Krawinkel [21.04.2026]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Johann Sebastian Bach | ||
| 1 | Chaconne d-Moll (aus der Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo BWV 1004; bearb.: Wilhelm Middelschulte) | |
| 2 | Präludium und Fuge A-Dur BWV 536 (bearb.: Karl Straube) | |
| 3 | Chromatische Fantasie und Fuge d-Moll BWV 903 (bearb.: Max Reger) | |
| 5 | Symphonie Pastorale (aus Weihnachtsoratorium BWV 248; bearb.: Siegfried Karg-Elert) | |
| 6 | Präludium und Fuge C-Dur BWV 547 (bearb.: Karl Straube) | |
| 8 | Air, Andante (aus: Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068; bearb.: Siegfried Karg-Elert) | |
| 9 | Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542 (bearb.: Karl Straube) | |
| CD/SACD 2 | ||
| 1 | Goldberg-Variationen BWV 988 |
Interpreten der Einspielung
- Jörg Halubek * 1977 (Orgel)
