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Besprechung CDGabriele Leporatti

Gabriele Leporatti

Busoni - Rachmaninoff
piano works

Etera ET006

1 CD • 63min • 2024

22.04.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Auf seiner neuen Aufnahme in seinem eigenen Label Etera ist der Pianist Gabriele Leporatti mit Werken von Ferrucio Busoni und Sergei Rachmaninoff zu hören – und dennoch klingen sie wie Johann Sebastian Bach. Dieser Eindruck trügt natürlich nicht, denn es handelt sich bei den ausgewählten Werken um Transkriptionen von Busoni und Rachmaninoff von Werken des großen Bach. Leporatti, der sich sowohl im Repertoire des Barock als auch dem des 20. Jahrhunderts bestens auskennt, vereint auf dieser CD konzeptionell zwei Titanen des Klaviers, zwei gegensätzliche künstlerische Pole und zwei Fäden, die bei allen Unterschieden doch durch Johann Sebastian Bach miteinander verwoben sind. Ferruccio Busoni war Pianist, Komponist, Dirigent und Musikpädagoge, der neben seinen eigenen Werken, die heute wenig bekannt sind, vor allem bekannt wurde für seine Transkriptionen. Dies wird wohl wenig an seinem Ego gekratzt haben, denn er sah die Transkription weniger als Nebensache an, denn vielmehr als gleichwertig mit dem Komponieren. Dabei war er auch in den Transkriptionen immer auf der Suche nach einer neuen Klangästhetik, so dass er auch ästhetisch die Musik seiner Vorbilder in seine Zeit übertrug. Dieses Selbstverständnis merkt man auch direkt bei dem von Leporatti gewählten Eröffnungsstück der Aufnahme, seiner Fantasia nach Johann Sebastian Bach, in der er verschiedene Choräle Bachs mischt, diese aber immer sehr deutlich hörbar werden.

Was nach Bach klingt – ist Busoni und Rachmaninoff

Leporatti setzt dies auch entsprechend um mit schöner Klarheit im Anschlag, wodurch die Choral-Melodien deutlich hervortreten. Die wohl berühmteste Bach-Transkription Busonis folgt direkt hierauf, die Chaconne d-Moll nach Bachs Violin-Partita BWV 1004. Ist diese bereits für die Violine ein Monumentalwerk, so hebt Busoni diese in der Klavierfassung noch einmal auf eine weitere Ebene und gibt ihr so zusätzliche Klangfülle. Dieses hochkomplexe Werk setzt Leporatti virtuos und dabei sehr klar in der Linienführung und im Anschlag um. Auf die Chaconne folgen nun Bach-Transkriptionen von Sergei Rachmaninoff, der zumindest drei einzelne Sätze der Partita E-Dur BWV 1006 für das Klavier umgesetzt hat. Filigran wirken diese, noch einmal näher dran an Bach als bei Busoni. Hier und da lässt Leporatti eine kleine zusätzliche Melodie oder einen humorvollen Kommentar von Rachmaninoff durchblicken. Besonders reizvoll ist, dass der Pianist die verbleibenden drei Sätze der Partita selber für das Klavier bearbeitet hat. Auch hier setzt er auf Klarheit und einen wunderbar ungezwungenen Ton. Neu auf der Aufnahme ist Leporattis Vollendung dieser Partita, die er im Stile Rachmaninoffs mit Leichtigkeit, sehr nah am Original und mit großer Transparenz ergänzt hat. Die Aufnahme endet mit Rachmaninoff pur – und zwar auch hörbar. Mit der zweiten Klaviersonate hat Leporatti ein Werk ausgewählt, das ihm persönlich viel bedeutet und schwankt zwischen kurzen Momenten der Ruhe, großer Virtuosität und einem regelrechten Wirbelsturm. Sie bildet zum Abschluss einen Gegenpol zu den vorherigen Werken, die sich an Bach orientiert haben. Nachdem Leporatti in den Bach-Transkriptionen der beiden Komponisten vor allem mit den leiseren und klaren Tönen überzeugte, darf er hier schwelgen, was er mit großem Vergnügen tut.

Verena Düren [22.04.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ferruccio Busoni
1Fantasia nach J.S. Bach BWV 253 (alla memoria di mio padre Ferdinando Busoni) 00:13:57
Johann Sebastian Bach/Ferruccio Busoni
2Chaconne (aus der Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo BWV 1004) 00:14:17
3Partita Nr. 3 E-Dur BWV 1006 00:08:41
6Partita Nr. 3 E-Dur BWV 1006 00:07:33
Sergej Rachmaninow
9Klaviersonate Nr. 2 b-Moll op. 36 00:18:38

Interpreten der Einspielung

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