Akademie der Künste trauert um Rolf Riehm
Der Komponist ist am 3. Januar 2026 im Alter von 88 Jahren gestorben
Der Komponist Rolf Riehm, geboren 1937 in Saarbrücken, ist am 3. Januar 2026 im Alter von 88 Jahren gestorben. Seit 2010 war er Mitglied der Akademie der Künste Berlin, wo sich auch das Rolf-Riehm-Archiv mit Notenhandschriften, Skizzen, Aufnahmen und Zuspielmedien befindet.
Kritischer Geist
Rolf Riehm studierte Schulmusik in Frankfurt am Main und ab 1958 Komposition bei Wolfgang Fortner in Freiburg. Danach trat er zunächst als Solo-Oboist in Erscheinung. Riehm ist Mitbegründer der Frankfurter Vereinigung für Musik, die von 1964 bis 1970 existierte. Nach kurzem Schuldienst war er ab 1968 Dozent an der Rheinischen Musikschule Köln, wo er bis 1972 auch Mitglied der „Gruppe 8“ wurde, einem Zusammenschluss Kölner Komponisten. Von 1974 bis 2000 war Rolf Riehm Professor für Komposition und Tonsatz an der Musikhochschule Frankfurt und prägte Generationen von Studierenden, indem er zu Unabhängigkeit und kritischem Denken ermutigte. Von 1976 bis 1981 war er Mitglied des legendären „Sogenannten Linksradikalen Blasorchesters” Frankfurt, das auf zahlreichen Demonstrationen spielte. Konzertreisen, Vorträge und Workshops führten ihn u. a. nach Schweden, Mittel- und Südamerika sowie nach Japan. 1992 erhielt er den Kunstpreis des Saarlandes, 2002 den Paul-Hindemith-Preis der Stadt Hanau. 2015 erschien der Sammelband Rolf Riehm / Texte mit Schriften von Riehm sowie Interviews und Analysen.
Vielschichtiges Œuvre
Sein Werk umfasst Solo- und Ensemblewerke sowie zahlreiche Orchesterkompositionen, teilweise mit Solisten und elektronischen Zuspielen. Werke wie das 1984 in Donaueschingen uraufgeführte Oh Daddy zeigen seine Fähigkeit, elektronische Medien und orchestrale Kraft zu einem Kommentar über Machtstrukturen und menschliche Abhängigkeiten zu verweben.
Iris ter Schiphorst, stellvertretende Direktorin der Sektion Musik der Akademie der Künste, würdigt Riehm mit den Worten: „Rolf Riehm war eine der markantesten und unabhängigsten Stimmen in der zeitgenössischen Musik. Sein Werk, das stets die Reibung an gesellschaftlichen und politischen Realitäten suchte, bleibt als Zeugnis eines unbestechlichen künstlerischen Geistes bestehen. Als ‚musikalischer Freibeuter‘ hat er uns gelehrt, dass Komponieren immer auch ein Akt des Widerstands und der Freiheit ist. Die Akademie verliert mit ihm einen großen Denker und einen leidenschaftlichen Streiter für die Kunst.“
