Lucerne Festival: Kompositionsauftrag für Jörg Widmann
Der Komponist, Klarinettist und Dirigent erhält den 14. Kompositionsauftrag der «Roche Commissions» für 2028
Zwei Jahre nach der Auftragserteilung an Liza Lim kam am 29. August im Rahmen von Lucerne Festival Summer ihr Werk Tongue of the Land zur Uraufführung – die 13. «Roche Commissions». Am Pult stand der Dirigent Peter Rundel, der das Werk zusammen mit Liza Lim, dem Trompeter Marco Blaauw und den Musikern des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) erarbeitet hat. Das Konzert war einer der Höhepunkte im Programm der diesjährigen Lucerne Festival Academy.
Ungewöhnliches Soloinstrument
Die australische Komponistin Liza Lim hat das Werk Tongue of the Land für Orchester und ein außergewöhnliches Soloinstrument komponiert: Das keltische Instrument Carnyx wurde vor mehr als 2000 Jahren in der Zentralschweiz verwendet und erst kürzlich wiederentdeckt und rekonstruiert. «Die Carnyx eröffnet Erfahrungsräume jenseits linearer Zeitvorstellungen und lädt zu einer Form des Hörens ein, die zugleich rückwärts und vorwärts gerichtet ist», erklärt Lim. «So entsteht eine Klangwelt, in der die Carnyx als eine Art ‹Ahnenstimme› erscheint – als Resonanzkörper zwischen Zeiten und Wesen. In dieser Perspektive wird Musik zu einem Akt des Verbindens: ein Hören, Rufen und Antworten – ein Sprechen und Singen mit der Tongue of the Land.»
Kompositionsauftrag für 2028
Der Folgeauftrag, die «Roche Commissions» 2028, geht an den Komponisten Jörg Widmann, einem der vielseitigsten Künstler seiner Generation und gefragtesten zeitgenössischen Komponisten. Jörg Widmann ist zudem seit Januar 2026 der künstlerische Leiter der Lucerne Festival Academy. 1973 in München geboren, absolvierte Jörg Widmann zunächst ein Klarinettenstudium und anschliessend ein Kompositionsstudium bei Kay Westermann, Wilfried Hiller, Hans Werner Henze, Heiner Goebbels und Wolfgang Rihm. Seine Werke werden von den weltweit führenden Orchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem New York Philharmonic, dem Royal Concertgebouw Orchestra oder dem Cleveland Orchestra uraufgeführt und regelmässig gespielt. Dirigenten wie Daniel Barenboim, Kent Nagano, Christian Thielemann, Sir Simon Rattle und Andris Nelsons bringen seine Musik weltweit auf die Bühne.
Doppelrolle in Dresden
In der Spielzeit 2026/27 übernimmt Jörg Widmann bei der Staatskapelle Dresden eine Doppelrolle: Erstmals in der Geschichte des Orchesters wird ein einzelner Künstler zugleich als Capell-Compositeur und Capell-Virtuos tätig sein. In der Saison 2023/24 war Jörg Widmann composer-in-residence bei den Berliner Philharmonikern. Seine Tätigkeit als Dirigent weitet er weiter aus und war unter anderem mit zahlreichen internationalen Orchestern wie dem Cleveland Orchestra und den Berliner Philharmonikern zu erleben; zudem ist er Erster Gastdirigent der NDR Radiophilharmonie, Associated Conductor des Münchener Kammerorchesters und Artistic Partner der Sinfonietta Riga.
Neben seiner Tätigkeit als Komponist und Dirigent tritt er als Klarinettist mit Partnern wie Daniel Barenboim, Tabea Zimmermann, Sir András Schiff und Hélène Grimaud auf; mehrere Werke wurden ihm gewidmet. Widmann lehrte von 2001 bis 2015 in Freiburg und unterrichtet seit 2017 Komposition an der Barenboim-Said-Akademie in Berlin; er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und wurde 2024 Mitglied der Royal Swedish Academy of Music.
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