Die musikgeschichtliche Einstufung als „Retter der katholischen Kirchenmusik“, mit der Giovanni Pierluigi da Palestrina von Agostino Agazzari 1609 erstmals bezeichnet wurde, mag sicherlich übertrieben sein, aber als der größte Meister der katholischen Kirchenmusik zur Zeit der Gegenreformation darf Palestrina, der vor 430 Jahren, am 2. Februar 1594, in Rom gestorben ist, mit Fug und Recht gelten. Sein Werk besteht fast ausschließlich aus Kompositionen für die römisch-katholische Liturgie. Die 33bändige Gesamtausgabe seiner Werke umfasst rund 950 Werke, darunter 326 Motetten, 93 Messen, davon besonders berühmt die Missa Papae Marcelli (1562) und die Benedicta-Messe, 68 Offertorien, 36 Lamentationen, aber auch Madrigale. Zum „Retter der katholischen Kirchenmusik“ wurde Palestrina, weil er die Forderungen und Reformbestrebungen des Tridentiner Konzils von 1562 am konsequentesten umgesetzt hat. Die Verwendung weltlicher Cantus firmus-Melodien für Kirchenkompositionen und eine überbordende Polyphonie hatten zu einer stilistischen Verweltlichung geführt, bei der zudem die Textverständlichkeit durch den Gebrauch von Mehrsprachigkeit zusätzlich erschwert wurde. Die Kirchenmusik sollte wieder schlichter, homophon, vor allem aber textverständlich sein. Palestrina entwickelte seinen „Palestrina-Stil“, der bis heute in der katholischen Kirchenmusik als vorbildlich gilt und die Kompositionslehren bis ins 19. Jahrhundert hinein beeinflusste. Sein eigentlicher Nachname ist Pierluigi, doch hat sich die Bezeichnung nach seinem Herkunftsort eingebürgert. Er wurde um 1525 in Palestrina bei Rom geboren. 1537 wurde er Chorknabe an Santa Maria Maggiore in Rom. Er wirkte zuerst in seiner Heimatstadt. 1547 heiratete er Lucrezia Gori. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor. Dank der Fürsprache von Kardinalbischof Giovanni Maria del Monte, dem späteren Papst Julius III., erhielt er eine Anstellung als Kapellmeister an der Capella Giulia. Als Papst veranlasste er sogar die Aufnahme Palestrinas in das Sängerkollegium der Sixtinischen Kapelle, obwohl dieser kein Priester und sogar verheiratet war. Seinem Nachfolger, Papst Marcellus II., der nach nur 22 Tagen im Amt verstarb, ist Palestrinas berühmtestes Werk, die Missa Papae Marcelli, gewidmet. Der nachfolgende strenge Papst Paul IV. entfernte Palestrina wieder aus der Sixtinischen Kapelle. Seit 1561 hatte Palestrina das Amt des Kapellmeisters an Santa Maria Maggiore inne, der dritten Hauptkirche Roms. Fünf Jahre später war er Kapellmeister am Jesuitischen Collegium Romanum. Nach der Entlassung aus der Sixtinischen Kapelle wurde Palestrina Kapellmeister an San Giovanni in Laterano. Aus wirtschaftlichen Gründen verließ er jedoch die Stellung. Etwas später (1567-1571) wurde er Kapellmeister am Hofe des Kardinals Ippolito d'Este in Rom. 1571 kehrte Palestrina in sein altes Amt an die Peterskirche zurück, nachdem der Amtsinhaber Giovanni Annimuccia gestorben war. Diese Stellung behielt Palestrina bis zu seinem Tod im Jahre 1594. Er genoss zeitlebens hohes Ansehen. Der Wiener Kaiserhof wollte ihn 1567 verpflichten und 1583 auch der Herzog Guglielmo Gonzaga von Mantua. Beide Male scheiterte eine Anstellung aber an den zu hohen Forderungen Palestrinas. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1581 heiratete Palestrina ein weiteres Mal, die reiche Witwe eines päpstlichen Pelzhändlers Virginia Dormoli, wodurch es ihm möglich wurde, seine Werke zu publizieren. Er hatte es jedoch auch selbst zu einigem Wohlstand gebracht und wollte sich auf seinen Familienbesitz nach Palestrina zurückziehen. Dies war ihm jedoch nicht mehr vergönnt. Er starb 1594 in Rom und wurde unter großer Teilnahme in der Peterskirche beigesetzt, wo auch schon sein Bruder Silla, seine beiden Söhne Rodolfo und Angelo sowie seine erste Frau ruhten.
»Giovanni Pierluigi da Palestrina: Biographie und Einspielungen«
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