Joan Sutherland, vor 100 Jahren am 7. November 1926 in Sydney geboren, wurde von ihren Bewunderern in aller Welt „La Stupenda“ – die Fabelhafte – genannt. Für Luciano Pavarotti war sie nichts weniger als „die Stimme des Jahrhunderts“. Sie galt als große Antipodin zur drei Jahre älteren Maria Callas. Ihre Ausbildung erhielt sie zunächst von ihrer Mutter und studierte anschließend bei John und Aida Dickens. 1951 ging sie nach London, um sich an der Royal Academy of Music zu perfektionieren. Bereits ein Jahr später debütierte sie am Londoner Opernhaus Covent Garden als Erste Dame in Mozarts Zauberflöte. Dort arbeitete sie mit ihrem späteren Mann, dem Dirigenten Richard Bonynge, der wie sie aus Australien stammte. Er entdeckte und formte das einzigartige Potenzial ihrer Stimme und machte sie zur „traumsicheren Bezwingerin der vokalen Stratosphäre. Unerreicht ist die Unfehlbarkeit und die Fantasie ihres Singens.“ (Die Welt) Es folgten weitere, kleinere Partien, darunter die Clothilde in Bellinis Norma an der Seite von Maria Callas. Der internationale Durchbruch erfolgte 1954, ebenfalls an der Covent Garden Opera, wo sie in der Donizetti-Oper Lucia di Lammermoor einen überragenden Erfolg feiern kann. Ihren Beinamen „La Stupenda“ erhielt Sutherland nach einer Alcina in Venedig. Als sie mit Lucia di Lammermoor an der New Yorker Met debütierte, wurde sie nach der Wahnsinnsarie mit zwölf Minuten Applaus gefeiert. Sie glänzte weltweit mit den großen Partien des Belcanto. Daneben beherrschte sie aber auch ein breit gespanntes Repertoire von Händel bis Meyerbeer und wirkte 1955 auch an der Uraufführung von Michael Tippets The Midsummer Marriage mit. 1954 heiratete sie Richard Bonynge, der fast alle ihre zahlreichen Konzerte, Tourneen und Tonträgeraufnahmen leitete. Eine intensive künstlerische Freundschaft pflegte sie mit Luciano Pavarotti und auch mit der Mezzosopranistin Marilyn Horne, mit der sie eine maßstabsetzende Einspielung von Bellinis Norma aufnahm. Sie gastierte an allen großen Opernhäusern in Europa, den USA, Australien und Japan und wurde 1979 von Queen Elizabeth II. zur „Dame of the British Empire“, der weiblichen Entsprechung des Titels „Sir“ ernannt. Ihren Bühnenabschied gab Joan Sutherland 1990 in Sidney in der Titelpartie der Meyerbeer-Oper Die Hugenotten. Sie starb kurz vor ihrem 84. Geburtstag am 10. Oktober 2010 in ihrem Haus in der Nähe von Genf. Ihr künstlerisches Vermächtnis ist auf mehr als 80 Tonträgeraufnahmen (Decca) dokumentiert.
Vor 40 Jahren, am 6. November 1986, verstarb die deutsche Sopranistin Elisabeth Grümmer. Sie zählt zu den herausragenden Sängerinnen des 20. Jahrhunderts. Geboren wurde sie am 31. März 1911 in Niederjeutz im damaligen Reichsland Elsaß-Lothringen. Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Familien nach Meiningen. Als begeisterter Chorsänger wirkte ihr Vater im Chor des Meininger Theaters mit und weckte so Elisabeths Begeisterterung für das Theater. 1920 begann sie ihre Laufbahn als Elevin an der Hochschule für Schauspielkunst am Meininger Theater und war dort anschließend auch als Schauspielerin erfolgreich. Als sie Mitte der 1930er Jahre den Konzertmeister Detlef Grümmer heiratete und eine Tochter bekam, gab sie ihre Bühnenkarriere zunächst auf. Erst ein neues Engagement ihres Mannes als Kapellmeister am Theater Aachen veranlasste sie, ihre Künstlerkarriere wieder aufzunehmen und Gesangsunterricht zu nehmen. Anfang der 40er Jahre wurde sie vom damaligen Generalmusikdirektor Herbert von Karajan als Sängerin entdeckt und gefördert. Trotz der Wirren des Zweiten Weltkriegs konnte sie eine erfolgreiche Karriere als Sängerin starten. 1944 wurde ihre Wohnung in Aachen beim einem Bombenangriff völlig zerstört, ihr Ehemann kam bei dem Bombardement ums Leben. 1946 wurde Elisabeth Grümmer Ensemblemitglied der Städtischen Oper Berlin und entwickelte sich rasch zu einer international anerkannten Sängerin. 1951 debütierte sie in Covent Garden, 1953 bei den Salzburger Festspielen und gastierte an den großen Opernbühnen im In- und Ausland. Ab 1957 war sie acht Jahre hintereinander Gast bei den Bayreuther Festspielen. Gleichermaßen gefragt war sie als Konzert- und Liedsängerin. 1965 erhielt sie eine Professur an der Berliner Musikhochschule, Mitte der 1970er Jahre übernahm sie eine Professur in Paris. Ihre Abschiedsvorstellung auf der Opernbühne gab sie am 1. Januar 1972 in Berlin als Marschallin im Rosenkavalier. Von 1977 bis zu ihrem Tod war sie Vorsitzende der „Gesellschaft der Freunde der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Berlin e.V.“ Ihr Wirken ist in zahlreichen Aufnahmen überwiegend bei EMI unter Furtwängler, Kempe, Karajan, Kraus u.a. gut dokumentiert.
Am 2. November 2026 wäre der Dirigent Giuseppe Sinopoli 80 Jahre alt geworden. Geboren am 2. November 1946 in Venedig, studierte er am Konservatorium seiner Heimatstadt Musik und Medizin an der Universität von Padua. Er besuchte die Sommerkurse für Neue Musik in Darmstadt und wurde Assistent von Franco Donatoni an der Accademia >Musicale Chigiana in Siena. 1983 folgte die Ernennung zum Chefdirigent des Philharmonia Orchestra London, 1985 debütierte er mit Puccinis Tosca an der New Yorker Met und mit Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen. Ab 1990 war er Chefdirigent an der Deutschen Oper Berlin und wurde 1992 in gleicher Position an die Semperoper berufen. Am 2. November 2001 erlitt der Dirigent am Pult der Deutschen Oper Berlin während einer Aufführung von Verdis Aida einen Herzinfarkt und konnte trotz sofortiger notärztlicher Versorgung und Einlieferung in das Herzzentrum Berlin nicht gerettet werden. Er starb in Alter von 54 Jahren. Giuseppe Sinopoli war nicht nur eine der profiliertesten Musikerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, sondern auch ein universaler Geist von existenzieller Tiefe und gleichwertiger Kompetenz auf verschiedensten Gebieten: Der promovierte Mediziner setzte in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts als Exponent der italienischen Avantgarde mit seinen Kompositionen bedeutende Akzente. In den 80er Jahren avancierte er zu einem weltweit geschätzten Dirigenten, der das symphonische und musikdramatische Repertoire durch die Perspektive der Neuen Musik zu beleuchten verstand. Aus seinem Studium der Archäologie bezog Sinopoli Inspirationen für die kritische Reflexion auf die Gegenwart, die er in seinem essayistischen Roman „Parsifal in Venedig“ niedergelegt hat. In seiner wissenschaftlich-künstlerischen Existenz verband Sinopoli gedankliche Präzision mit einer Radikalität des Erlebens und Deutens von Musik. Sinopoli starb vor am 20.April 2001 in Berlin.