Ernst von Siemens Musikpreis 2026 für Musiker Jordi Savall
Dazu weitere Förderpreise an junge Komponisten
Der Ernst von Siemens Musikpreis 2026 geht an den Musiker Jordi Savall aus Katalonien, Spanien. Die Auszeichnung für ein Leben im Dienste der Musik ist mit 250.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung findet am 23. Mai 2026 im Prinzregententheater in München statt. Die Förderpreise Komposition mit je 35.000 Euro werden 2026 der britischen Komponistin Bethan Morgan-Williams, Hovik Sardaryan aus Armenien und der australischen Komponistin Kitty Xiao verliehen.
Forscher, Vermittler, Ensemblegründer
Jordi Savall erhält den Ernst von Siemens Musikpreis 2026 für sein Lebenswerk. Savall hat als Musiker, als Forscher und als Vermittler Wegweisendes für die Alte Musik und die historische Aufführungspraxis geleistet. Seine Konzerte und Studioaufnahmen haben Referenzcharakter. Als Lehrer und Ensembleleiter prägte er Musiker über Generationen hinweg. Mit seiner Musik zu dem Historienfilm Die siebte Saite wurde er 1991 einem Millionenpublikum bekannt.
Jordi Savall studierte zunächst in Barcelona Violoncello, bis er infolge seiner Begeisterung für die Musik der Renaissance die Viola da Gamba zu seinem Instrument erkor. Er schloss sein Studium in Basel an der Schola Cantorum Basiliensis ab, an der er später selbst Viola da Gamba unterrichten sollte. Seit den späten 1960er-Jahren hat Savall sich unermüdlich für die Alte Musik eingesetzt. Nicht nur als Interpret, sondern auch als Wissenschaftler, der Handschriften des Mittelalters und der Renaissance erforschte.
Mit seiner ersten Ehefrau, der Sopranistin Montserrat Figueras, verband ihn bis zu ihrem Tod 2011 eine intensive künstlerische Zusammenarbeit. Auch ihre beiden Kinder Arianna und Ferran haben sich ganz der Musik verschrieben und tragen das musikalische Erbe ihrer Eltern weiter.
Drei besondere Ensembles und ein eigenes CD-Label
Gemeinsam mit Figueras gründete Savall 1974 das Ensemble Hespèrion XX (heute Hespèrion XXI), das sich auf Musik der iberischen Halbinsel spezialisierte und 1987 das Vokalensemble Capella Reial de Catalunya, das sich der geistlichen Musik des Mittelalters widmet. 1989 folgte das Orchester Le Concert des Nations, das Werke des Barock, der Klassik und der Frühromantik auf Originalinstrumenten spielt. Um die Ergebnisse seiner Arbeit einem breiteren Publikum zugänglich machen zu können, gründete er 1998 das Label Alia Vox, das 230 Titel veröffentlichte und mehr als zwei Millionen CDs verkaufte.
Langjähriges Engagement für die Musikvermittlung
In den letzten Jahren hat Jordi Savall sein langjähriges Engagement für die Vermittlung von Musik durch die Youth Orchestra and Choir Professional Academies (YOCPA) ausgeweitet, ein Projekt, das von der Fundació Centre Internacional de Música Antiga (CIMA) geleitet und von der Europäischen Union unterstützt wird. Im Rahmen intensiver zwölftägiger Akademien bietet YOCPA aufstrebenden Musikern Weiterbildungs-möglichkeiten und Berufserfahrung und bringt etablierte Interpreten, junge Profis und neue, ausgewählte Talente in ausgewogenen Ensembles zusammen. Unter Savalls künstlerischer Leitung studieren, proben und spielen die Teilnehmern anspruchsvolles Repertoire auf höchstem künstlerischem Niveau, treten mit Savalls Ensembles in führenden Konzertsälen in ganz Europa auf und nehmen an professionellen Aufnahmen teil.
Soziales Engagement
Savall hat sich als Musiker wiederholt gesellschaftlich engagiert. 2018 gründete er das Ensemble Orpheus XXI für geflüchtete Musikern aus Nordafrika und dem arabischen Raum. In seiner Forschung verfolgte er den Weg, den Musik seit dem 15. Jahrhundert über die Routen der Sklaverei genommen hat. Dabei machte er die vielfachen Verflechtungen der afrikanischen und der europäischen Musik deutlich. Auch heute spricht er sich für Frieden aus: „Musik kann keinen Krieg beenden, sie kann aber Frieden in unseren Herzen stiften. Musik ist die einzige Sprache, die direkt die Herzen anspricht. Ohne sie wäre das Leben unmöglich.“ mehr zu Jordi Savall
Preisverleihung am 23. Mai 2026
Die Verleihung des Ernst von Siemens Musikpreises findet am 23. Mai 2026 im Prinzregententheater in München statt. Es spielen Hyperion XXI und La Capella Reial de Catalunya unter der Leitung des Preisträgers. Die Laudatio auf Jordi Savall hält Edouard Mätzener.
Förderpreise Komposition
Bethan Morgan-Williams, Hovik Sardaryan und Kitty Xiao
Die Förderpreise Komposition sind mit je 35.000 Euro dotiert. Teil der Auszeichnung ist zudem eine digitale Tonträgerveröffentlichung.
