Premiere von Donizettis "Anna Bolena" an der Deutschen Oper Berlin
Enrique Mazzola dirigiert die Neuproduktion in der Regie von David Alden am 15. Dezember um 19 Uhr
Mit der Uraufführung von Anna Bolena schlug Gaetano Donizetti am 26. Dezember 1830 ein neues Kapitel der Operngeschichte auf: Während sich die Oper bis dahin kaum um historische Wahrheit ihrer Stoffe kümmerte, brachten Donizetti und sein Librettist Felice Romani die tragische Geschichte der zweiten Ehefrau Heinrichs VIII. weitgehend getreu den überlieferten Fakten auf die Opernbühne. Damit markiert Donizettis 35. Oper den Beginn des Historiendramas im Musiktheater – einer Gattung, die von Meyerbeer über Verdi bis hin zu John Adams immer wieder Komponisten fasziniert hat.
Zugleich ist Anna Bolena aber auch eines der ersten Meisterwerke der romantischen Oper: Mit diesem Werk emanzipierte sich Donizetti endgültig vom virtuos-instrumentalen Belcanto in der Nachfolge Rossinis und schuf eine Musik, die sich ganz in den Dienst des dramatischen Effekts stellt. Bei allen gesanglichen Anforderungen vor allem an die vier Hauptpartien fesselt an Anna Bolena bis heute die dramatische Konsequenz, mit der Donizetti und Romani Szene für Szene die Tragödie über den Justizmord an der jungen Königin entwickeln.
Unterschätzes Drama
Diese musikdramatische Meisterschaft Donizettis wird bis heute oft auch deshalb unterschätzt, weil Anna Bolena zusammen mit den beiden anderen Teilen von Donizettis Tudor-Trilogie, Maria Stuarda und Roberto Devereux, primär als Vehikel für die Gesangskunst großer Operndiven genutzt wurde. An der Deutschen Oper Berlin werden die beiden weiblichen Hauptpartien hingegen von zwei jungen Sängerinnen verkörpert, die zwar schon eine internationale Karriere im Belcanto-Fach begonnen haben, aber altersmäßig ihren historischen Rollenvorbildern, den englischen Königinnen Anne Boleyn und Jane Seymour, entsprechen. In der Produktion des New Yorker Meisterregisseurs David Alden, die die Deutsche Oper Berlin von der Oper Zürich übernommen hat, sind die italienische Sopranistin Francesca Lombardi als Anna und die russische Mezzosopranistin Vasilisa Berzhanskaya als Giovanna zu erleben – beide Sängerinnen haben ihre Karriere übrigens an der Deutschen Oper Berlin begonnen.
Ihnen zur Seite steht der junge italienische Bass Riccardo Fassi als Enrico, der in Berlin zuletzt in Rossinis Semiramide im Haus der Berliner Festspiele zu erleben war, sowie der Tenor René Barbera als Percy. Es dirigiert der Erste Gastdirigent der Deutschen Oper Berlin, Enrique Mazzola, der am Haus erst im Juni einen großen Erfolg mit den konzertanten Aufführungen von Massenets Herodiade feiern konnte und mit dem Orchester zuvor bereits vielbeachtete Meyerbeer-Interpretationen erarbeitet hatte.
Deutsche Oper Berlin
Gaetano Donizetti: Anna Bolena
in ital. Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Regie: David Alden
Musikalische Leitung Enrique Mazzola
Premiere am 15. Dezember 2023
Weitere Vorstellungen: 19., 22. und 26. Dezember sowie 11., 16. und 19. März 2024.
